Das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße, Sagittarius A*, strahlt deswegen viel schwächer als ähnliche Objekte in anderen Galaxien, weil es Materie nur häppchenweise verschlingt und nun gerade eine längere Ruhepause einlegt, vermuten japanische Forscher. Vor rund drei Jahrhunderten muss Sgr A* aber eine größere Zwischenmahlzeit eingenommen und einen Leuchtblitz abgegeben haben, der das galaktische Zentrum etwa eine Million Mal heller erstrahlen ließ als heute, schlussfolgern Tatsuya Inui von der Universität Kyoto und seine Kollegen nach ihrer Auswertung von Beobachtungsdaten mehrerer Röntgenobservatorien.

Die über zehn Jahre hinweg gesammelten Daten zeigen erstaunlich unterschiedliche wandernde Helligkeiten der Sagittarius B2-Wolke, die sich in rund 300 Lichtjahren Entfernung von Sgr A* befindet. Diese "Lichtechos" entstehen in der Folge starker Strahlungsausbrüche, die das Schwarzen Loch abgab, als größere Mengen von Materie darauf abstürzten. Die Strahlungsfront erreichte dann 300 Jahre später Sagittarius B2. Bei der Passage schlägt die Strahlung Elektronen aus Eisenatomen der Wolke, die in der Folge charakteristisches Röntgenlicht abgeben.

Schon vor zwei Jahren waren Lichtechos nahe von Sgr A* entdeckt worden, die einen 250 Jahre jüngeren Strahlungsausbruch des Schwarzen Loches beweisen. Dieser Ausbrauch war allerdings zehnmal schwächer als der nun beschriebene.

Die Forscher vermuten nun, dass das 26 000 Lichtjahre entfernte Sgr A* meist in relativer Ruhe verharrt und seine enorme Masse von fast vier Millionen Sonnenmassen konstant hält. Nur etwa alle 100 Jahre kommt ein kleineres Objekt nahe genug, um verschluckt zu werden. Der nun beschriebene gigantische Strahlungsausbruch könnte dagegen von einer Supernova ausgelöst worden sein, die größere Mengen von Gas in das Schwarze Loch geblasen hatte, spekulieren die Astronomen. (jo)