Was Fachleute lange vermuteten, bestätigt nun der russische Wetterdienst: Das im September in Österreich und Deutschland gefundene radioaktive Ruthenium stammt tatsächlich aus Russland. Wie die Organisation nun berichtet, erreichte die Konzentration an Ruthenium-106 in der betroffenen Region im südlichen Ural bis zum 1000-Fachen des in Russland erlaubten Wertes. Das deckt sich mit den Ergebnissen einer Analyse des französischen Instituts für Strahlenschutz IRSN vom 9. November, die die Quelle ebenfalls in Südrussland oder Kasachstan verortete.

Während die in Deutschland entdeckten Mengen des Isotops winzig waren und keine Gesundheitsgefahr darstellten, war die Kontamination nahe der Quelle wohl erheblich. Insgesamt seien zwischen 100 und 300 Terabecquerel 106Ru in die Umwelt gelangt, schätzt IRSN – genug, um bei einem vergleichbaren Unfall in Mitteleuropa einen Umkreis von mehreren Kilometern um die Quelle zu evakuieren. Wo genau das Radioisotop freigesetzt wurde, ist noch unklar. In der Region befindet sich einerseits die Wiederaufarbeitungsanlage Mayak, in der es in der Vergangenheit diverse Unfälle gab. Mögliche Quelle ist andererseits das Kernforschungszentrum RIAR in Dimitrowgrad.

106Ru entsteht zusammen mit anderen Radionukliden bei der Kernspaltung in Reaktoren und hat eine Halbwertszeit von etwas über einem Jahr. Das Isotop wird vor allem in der Krebstherapie gegen bestimmte Tumoren des Auges verwendet. Es strahlt aber auch lang und stark genug, dass es für Radionuklidbatterien zum Beispiel für Satelliten geeignet ist.

Ruthenium-106 ist ein Betastrahler und zerfällt zum ungiftigen Rhodium-106. Von außen dringt Betastrahlung nicht tiefer als bis in die Haut. In den Körper aufgenommen, zum Beispiel in Form von Staub, gilt es jedoch durch seine Strahlung als Krebs erregend. Es reichert sich nicht in einzelnen Organen an, verhält sich chemisch ähnlich wie Eisen, so dass es an Proteine des Eisenstoffwechsels sowie das Hämoglobin bindet und so in den ganzen Körper gelangt.