Das Wetter: Staubig und unbeständiger

Wer in den letzten Tagen weiße Wäsche zum Trocknen nach draußen gehängt oder seine Autofrontscheibe betrachtet hat, der sah: gelb. Schuld daran war aber nicht der für Heuschnupfengeplagte ebenfalls sehr aktive Pollenflug, sondern eine besondere Luftfracht aus dem Süden. Saharastaub schlug sich vielerorts auf Kleidung, Stühlen oder eben Autos nieder. Besonders in Regionen, in denen es etwas regnete, bedeckte anschließend der feine Schmutz die Umgebung. Umgekehrt sorgen die Staubteilchen auch dafür, dass es überhaupt zu Niederschlägen kommen kann. Sie dienen als so genannte Kondensationskerne, an die sich winzige Wassertröpfchen anlagern, die so lange wachsen, bis sie schließlich als Regen ausfallen – ein Prozess, den diese Aerosole genannten schwebenden Partikel erleichtern und beschleunigen. Das gilt vor allem für den Norden Deutschlands, wo feuchtere Luft vom Atlantik einsickert. Das Wolkenradar zeigt auch eine dicke Wolke über Frankreich, den Benelux-Staaten, Südengland und dem Westen Deutschlands, die so nicht vorhergesagt war und vor allem auf den Staub zurückgeht.

Die Ursache: Eine kräftige Südströmung

Die Temperaturen in den letzten Tagen waren in weiten Teilen Deutschlands erfreulich hoch. Neben der jahreszeitlich bereits recht kräftigen Sonneneinstrahlung leistete auch eine starke Südströmung ihren Beitrag: Sie schaufelte warme Luftmassen nach Mitteleuropa. Großräumig dafür verantwortlich war ein kräftiges Tiefdrucksystem auf dem Atlantik: Es dreht sich entgegen dem Uhrzeigersinn und führt deshalb auf seiner Vorderseite Luft aus Süden nach Norden. Sie stammt teilweise direkt aus der Sahara, wo Winde Feinstaub aufgewirbelt und in höhere Atmosphärenlagen getragen haben. Normalerweise bläst dieses Material mit den vorherrschenden Passatwinden hinaus auf den Atlantik, wo der Staub teilweise bis in die Karibik und nach Amazonien fliegt und dort die Ökosysteme düngt. Wer sich über den Staub ärgert, könnte sich von den fantastischen Sonnenuntergängen trösten lassen, die die Teilchen "verschönern": Die Partikel streuen blaues Licht stärker als rotes, so dass ein noch größerer Anteil dieser Wellenlängen unser Auge erreicht – der Himmel glüht bei trockener Luft förmlich.

Die Folgen: Die Trockenheit wird langsam kritisch

Bereits der Winter war zu trocken, und auch der Frühling spart bislang an Niederschlägen. Und deshalb verschärft sich langsam die Trockenheit in den Böden. Vor allem in den obersten und für den Getreideanbau wichtigsten 60 Zentimetern erreichen die Feuchtewerte ein langsam bedenkliches Niveau: Seit 1962 wurden so früh im Jahr keine derart niedrigen Bodenwassergehalte gemessen wie 2014 – kein Wunder, denn schließlich war der März der vierte zu trockene Monat in Folge. Ähnliche Frühjahrstrockenheiten herrschten beispielsweise 2011 und 2012, allerdings erst im Verlauf des Aprils oder gar erst im Mai. Das wirkt sich bislang kaum auf die Landwirtschaft aus, da die Pflanzen im Moment noch relativ wenig Wasser verbrauchen; einzelne Sonderkulturen müssen aber schon jetzt bewässert werden. In der jetzigen Entwicklungs- und Wachstumsphase benötigen die Pflanzen jedoch bald dringend mehr Feuchtigkeit, sonst nehmen sie nicht ausreichend Nährstoffe auf und bilden weniger Ertrag oder verkümmern vorzeitig. Wie die Bauern hoffen wohl ebenso die Forstwirte langsam auf ergiebigen, warmen Landregen, der die Krume und Waldböden gleichermaßen tränkt. Denn das Waldbrandrisiko ist ebenfalls weiterhin erhöht.

Die Aussichten: Naht endlich etwas mehr Regen?

Wetterkarte vom Freitag, 04. April 2014
© Deutscher Wetterdienst (DWD)
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernWetterkarte vom Freitag, 04. April 2014

Als gesichert gilt, dass es ab dem Wochenende etwas unbeständiger wird und dies im weiteren Wochenverlauf vorerst so bleiben soll. Zumindest örtlich erwarten die Meteorologen ergiebige Niederschläge, teils in Form von Wärmegewittern. Sie sind sich aber nicht einig, ob flächendeckend ausreichend Regen für die Natur fällt. Dagegen spricht unter anderem auch die Prognose für die Zeit ab Donnerstag, in der erneut ein Hochdruckgebiet in Aussicht steht. Das europäische Wettermodell favorisiert demnach einen schwachen Hochdruckkeil von Deutschland bis über Skandinavien: Er hält die Schlechtwettertiefs draußen auf dem Atlantik. Der April könnte also der fünfte zu trockene und zu warme Monat in Folge werden.