Eine Forschergruppe um Jason D. Hofgartner von der Cornell University in Ithaca, New York, stieß auf anomale Radarreflexionen im Gebiet des großen Methanmmeers Ligeia Mare in den Daten vom 92. Vorbeiflug an Titan im Juli 2013. Radarbilder, die vor und nach diesem Vorbeiflug entstanden, zeigten dagegen keine Abweichungen mehr. Das betroffene Gebiet misst rund 20 x 20 Kilometer. Die Forscher schließen technische Artefakte, die durch die Radarabtastung der Titanoberfläche entstanden sein könnten, als Ursache aus.

Das Titan-Meer Ligeia Mare (Radarbild der Raumsonde Cassini)
© NASA, JPL / Caltech / ASI / Cornell
(Ausschnitt)
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In der Nähe des Nordpols des Saturnmonds Titan breitet sich Ligeia Mare aus. Es besteht aus einer Mischung aus flüssigem Methan, Ethan und gelöstem Stickstoff. Mit dem Beginn des nördlichen Frühlings zeigten sich im Juli 2013 erstmals Hinweise auf Wellengang oder Blasenbildung, die vermutlich auf die ansteigenden Temperaturen im hohen Norden von Titan zurückgehen.

Titan durchläuft wie sein Mutterplanet Saturn ausgeprägte Jahreszeiten, die wegen der Länge des Saturnjahrs von rund 30 Erdjahren jeweils mehr als sieben Jahre dauern. Titan ist zudem der einzige Mond des Sonnensystems, der von einer dichten Atmosphäre umgeben ist. Derzeit herrscht Frühling auf der Nordhalbkugel von Titan und die hohen nördlichen Breiten liegen jetzt im permanenten Sonnenlicht. Vorher herrschte in diesen Regionen für rund sieben Jahre das Dunkel der Polarnacht. Durch die jetzt stetig zunehmende Sonneneinstrahlung erwarten die Planetenforscher, dass die Temperaturen auf der Nordhalbkugel des Monds um einige wenige Grad Celsius ansteigen.

Dadurch sollten die Meere und Seen im Norden allmählich anfangen zu verdampfen, wobei das freigesetzte Methan in die dichte Atmosphäre des Monds übergeht. Im Jahr 2017 durchläuft Saturn die nördliche Sommersonnenwende, daher erwarten die Forscher, dass sich die "Gewässer" auf Titan in den nächsten Jahren deutlich verändern sollten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es in den hohen südlichen Breiten zu Niederschlägen von Methan kommen. Dabei dürften sich die derzeit trockenen Seebecken am Südpol mit flüssigem Methan füllen, während die nördlichen Gebiete austrocknen. Die jetzt beobachteten vorübergehenden Veränderungen markieren den Anfang dieses Prozesses. Durch die ansteigenden Temperaturen sollten lokale Winde aufkommen, die zu Wellengang führen. Auch reicht eine Temperaturerhöhung von wenigen Grad Celsius aus, das flüssige Methan kochen zu lassen, so dass große Regionen anfangen zu brodeln.