In der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 2015 dürfen wir eine Sekunde länger schlafen. Dann spendiert uns der International Earth Rotation and Reference Systems Service (IERS) nämlich eine Schaltsekunde. Konkret bedeutet das, dass am 1. Juli auf 01:59:59 Uhr nach Mitteleuropäischer Sommerzeit zunächst offiziell 01:59:60 Uhr folgt, bevor es mit 02:00:00 Uhr weitergeht.

Der Grund für die Extrasekunde liegt darin, dass die Erde für die Drehung um die eigene Achse, die eigentlich die Länge eines Tages vorgibt, im Durchschnitt eine tausendstel Sekunde länger braucht als die exakten 24 Stunden, die die Atomuhr misst. Das würde dazu führen, dass die Sonne in vielen tausend Jahren nach unserer Zeitrechnung irgendwann nicht mehr morgens, sondern mittags aufginge. Um das zu verhindern, gewährt der IERS, der mit Hilfe von zwei weit voneinander entfernten Teleskopen, die auf den gleichen Punkt im All gerichtet werden, regelmäßige Messungen zur Rotationsgeschwindigkeit vornimmt, von Zeit zu Zeit eine Schaltsekunde. Da die Erdrotation sich nicht gleichmäßig verlangsamt, treten auch die Schaltsekunden unregelmäßig auf: In den 1990er Jahren gab es ganze acht von ihnen, seit 2000 gerade einmal drei – vier mit der aktuellen am 1. Juli.

Aus biologischer Sicht dürfte die Schaltsekunde im Gegensatz zur "echten" Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit unkritisch sein – sie ist so kurz, dass wir von ihr mit großer Wahrscheinlichkeit gar nichts merken werden. Bei Computern kann sie allerdings tatsächlich zu einer Art Jetlag führen, da laut Medienberichten nicht alle Systeme mit dem winzigen Zeitsprung problemlos zurechtkommen.