Ein mysteriöser Todesfall in Italien beschäftigte die Forensiker um Francesco Ventura von der Universität Genua. Ein Mann wird tot mit schweren Verbrennungen zwischen zwei Sägeböcken aus Metall in einem Zimmer seines Hauses gefunden. 70 Prozent seines Körpers sind versengt, doch in seinem Umfeld weist nichts auf ein Feuer hin, und auch Brandbeschleuniger lassen sich bei der Obduktion nicht ausmachen. Nichts deutet darauf hin, dass er brennend in die Wohnung gelaufen ist, um Hilfe zu suchen, oder dass die genutzten technischen Geräte versagt hätten. Rasch kamen Mutmaßungen auf, der Mann könnte einer spontanen Selbstentzündung zum Opfer gefallen sein. Diese Art des Sterbens wird immer wieder auch wissenschaftlich diskutiert, etwa dass sich durch eine extreme Stoffwechselstörung Azeton im Körper anreichert und dieses dann durch eine elektrostatische Entladung entflammt wird. Andere Erklärungen gehen vom Docht-Effekt aus, bei dem Kleidung Feuer fängt, das Unterhautgewebe schmilzt und dieses Fett dann die Flammen nährt.

Im vorliegenden Fall war die Erklärung jedoch einfacher, wie Ventura und Co schreiben. Ihnen ist aufgefallen, dass die schwersten Verbrennungen am linken Fuß und am rechten Daumen vorhanden waren, während andere Körperbereiche praktisch unversehrt blieben. Auf die richtige Spur brachten sie dann die zahlreichen metallischen Werkzeuge im Raum und vor allem die Stahlträger, die vom Inneren des Hauses nach außen führten. Ein Abgleich mit Wetterdaten klärte den Fall letztlich auf. Zum Todeszeitpunkt gewitterte es stark in der Region, und mit hoher Wahrscheinlichkeit war deshalb ein Blitz verantwortlich. Der Einschlag traf einen der Stahlträger, welcher die Entladung ins Innere transportierte. Dort sprang der Funken auf eines der Werkzeuge über und fuhr schließlich dem Mann vom Fuß aus durch den Körper, bis der Strom ihm durch den Daumen wieder entwich. Die eigentliche Todesursache war daher akutes Herzversagen, während der gleichzeitige Lichtbogen mit hohen Temperaturen die Haut verbrannte. Das Opfer hatte also extremes Pech. Zum Vergleich: Während der letzten 30 Jahre starben in Deutschland jährlich im Mittel acht Menschen durch Blitzschlag – die weitaus meisten davon in freier Natur.