Einen überraschenden Effekt entdeckten Astrochemiker um Martin Cordiner von der NASA in der Atmosphäre des Titans: Dort erscheinen hohe Gaswolken nahe den Polen gegenüber der Rotationsachse des Mondes gekippt. Das dürfte eigentlich nicht möglich sein, weil die Atmosphäre des Titans durch starke Winde parallel zu den Breitengraden in ringförmige Zonen aufgeteilt sein soll – ähnlich den Gasplaneten. Stattdessen ziehen sich Wolken aus den Spurengasen Isocyanwasserstoff und Cyanethylen dort, wo die Sonne auf- beziehungsweise untergeht, in niedrigere Breiten, und wirbelt damit das bisherige Bild der Titan-Atmosphäre durcheinander. Die Ursache dafür ist noch völlig unklar.

Die Forscher untersuchten die Spurengase in Titans hoher Atmosphäre mit Hilfe des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) in Chile, das dank seiner hohen Empfindlichkeit quasi Schnappschüsse der Gasverteilung aufnehmen kann – die Bilder entstanden binnen drei Minuten. Die beiden Spurengase entstehen in der Kohlenwasserstoff-Atmosphäre durch UV-Strahlung kontinuierlich neu und waren, vermuten Experten, auch in der Atmosphäre der frühen Erde vorhanden. Nun rätseln die Titan-Forscher, ob vielleicht ein sehr schneller Synthesemechanismus der Gase für die ungewöhnliche Verteilung verantwortlich ist oder ob sie grundsätzlich über die Struktur der Titan-Atmosphäre nachdenken müssen.