An der afrikanischen Schlafkrankheit sterben jährlich etwa 30 000 Menschen – und etwa 60 Millionen müssen damit rechnen, durch die blutsaugenden Fliege Glossina morsitans infiziert zu werden. Die Tsetse-Fliege überträgt beim Stich den Erreger der Schlafkrankheit, den Einzeller Trypanosmoa brucei, von Mensch zu Mensch. Seit langem suchen Mediziner daher nach einer Möglichkeit, diese Übertragung zu verhindern – etwa ganz praktisch durch Moskitonetze, oder, noch eher theoretisch, indem sie den typischen Reifungs- und Vermehrungsprozess zu unterbinden suchen, den der Parasit im Insekt durchlaufen muss. Dies wird allerdings dadurch erschwert, dass die Reifung in der Fliege im Labor kaum zu untersuchen und daher in entscheidenden Details ungeklärt ist. Ein Forscherteam um Christian Tschudi von der Yale School of Medicine glaubt, dies nun ändern zu können.

Den Parasitologen ist es mit einem recht einfachen molekularbiologischen Trick gelungen, die aus dem Blut von infizierten Menschen stammenden Erregerformen im Labor in alle Stadien ausreifen zu lassen, die sonst nur im Insektenwirt vorkommen. Damit wäre es nun möglich, den in der Fliege ablaufenden Lebenszyklus nachzustellen und zu untersuchen, um vielleicht Ansatzpunkte für Medikamente zu finden, die den Erreger ohne eine Nebenwirkungen für Menschen schon in der Fliege stoppen.

Tsetse-Fliegen nehmen beim beim Stechen eine infektiöse, so genannte trypomastigote Form von T.-brucei-Parasiten mit dem Blut eines Infizierten auf. In der Fliege durchlaufen sie nun verschiedene komplizierte Umbauten und vermehren sich, bevor sie in die Speicheldrüsen der Fliege wandern und dort wieder zu einer für den Menschen infektiösen Variante ausreifen. Die Umbauten gehen etwa mit der charakteristischen Wanderung der energieproduzierenden Mitochondrien im Einzeller und dem Verlust und Wiederaufbau seines variablen Oberflächenmantels aus Glykoproteinen ("variable surface Glycoprotein", VSG) einher, der ihn im Menschen vor dem Immunsystem schützt. Tatsächlich stehen aber alle diese mbauten unter der Regie eines Regulators, wie die Forscher herausfanden, dem RNA-bindenden Protein RBP6.

Die Forscher stießen auf dieses Protein, als sie untersuchten, welche Gene der Parasit in den Fliegen besonders intensiv exprimiert. Tatsächlich beginnen die nach dem Stich aufgenommenen Formen, die RBP6-Produktion stark anzukurbeln, wenn sie in den vorderen Verdauungstrakt der Fliegen gelangt sind – gleichzeitig fangen sie an sich nach und nach in die nachfolgenden Stadien umzuwandeln – die epimastigote und metazyklische und schließlich, am Ende des Zyklus, die wieder für Menschen infektiöse Form.

Tatsächlich scheint diese Umwandlung in der Fliege wie im Labor nur in Gegenwart von RBP6 möglich: das Protein greift stark in die Regulation der Genexpression des Parasiten ein, indem es auf die "posttranslationale Prozessierung" Einfluss nimmt. Diese Form der flexiblen Eiweißmodifizierung ist bei den parasitischen Einzellern besonders wichtig – etwa bei der für den Schmarotzer im Menschen überlebenswichtigen Produktion des VSG-Schutzmantels.