Seit 2006 sprudelt im Osten der indonesischen Insel Java der Schlammvulkan Lusi – und seitdem tobt ein Streit, ob eine Ölfirma mit einer missglückten Bohrung oder ein Erdbeben das geotektonische Ereignis ausgelöst hat. Nur zwei Tage vor der Katastrophe hatte es ein schweres Erdbeben mit Epizentrum in 200 Kilometer Entfernung gegeben, das als Ursache in Frage kommen könnte. Umgekehrt verwiesen viele Geologen auf eine schlecht abgesicherte Probebohrung einer indonesischen Ölfirma, die in der Region nach Lagerstätten gesucht und dabei die Schlammblase angestochen hatte. Letzteres bestätigt nun erneut eine Studie von Mark Tingay von der University of Adelaide und Kollegen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit. Das Team hatte erstmals nicht nur seismische Modelle verglichen, sondern sich "harten" geophysikalischen Daten zugewendet, die in den Tagen vor und nach dem Beben und dem Schlammvulkanausbruch gesammelt worden waren.

Nach der Erdbebentheorie hätten die Erschütterungen die Tonschicht im Untergrund verflüssigt, wobei große Mengen Gas freigesetzt werden sollten. Gasjets hätten dann den Schlamm nach oben gerissen und aus dem Bohrloch getrieben, wobei die Druckentlastung weiteres treibendes Gas erzeugt hätte. Nach den Daten der Forscher fand jedoch nach dem Erdbeben kein Gasaustritt aus benachbarten Bohrlöchern rund um Lusi statt, was gegen die Erdbebentheorie spricht. Zudem veränderte sich das Gestein während und nach dem Beben nicht geotektonisch; es fand also keine durch die seismischen Wellen ausgelöste Verflüssigung statt. Weitere Messungen legen nahe, dass die Schlammeruptionen tatsächlich erst durch die missglückte Bohrung in Gang gesetzt wurden. "Wir analysierten auch Gasproben aus unterschiedlichen Gesteinen und aus dem Schlamm, um einen 'Fingerabdruck' der ursprünglichen Quelle des Gemischs zu erstellen. Damit können wir belegen, dass der Schlamm ursprünglich aus einer tiefen Gesteinsformation stammt – was nur als Folge einer Bohrung zuerst auftreten kann. Alles zusammen deutet eindeutig auf ein menschengemachtes Desaster hin", so Tingay.

Ursprünglich entströmten Lusi mehr als 180 000 Kubikmeter toxischer Schlamm pro Tag. Mehr als 40 000 Menschen mussten in der Folge evakuiert werden, weil die Sedimente ihre Häuser zerstörten, rund 6,5 Quadratkilometer der Stadt Sidoarjo gelten als zerstört und unbewohnbar. Insgesamt ist eine Fläche von rund zehn Quadratkilometern betroffen. Der wirtschaftliche Schaden beträgt etwa 2,4 Milliarden Euro. In Indonesien tobt daher ein heftiger Streit um Schadensersatz, denn die Firma will nicht bezahlen und verweist auf das Erdbeben als Ursache. Mittlerweile fördert Lusi immerhin deutlich weniger Material: Der Ausstoß ist auf weniger als 10 000 Kubikmeter am Tag gesunken, und der Druck fällt rapide: Statt eines kontinuierlichen Ausbruchs pulsiert der Vulkan mittlerweile nur noch. Schon 2017 könnte er daher nach neuen Berechnungen zur Ruhe kommen – rund 20 Jahre früher als in älteren Kalkulationen befürchtet.