Ein heißer Trend in der medizinischen Forschung sind schnelle Bluttests, die Krebs bei Patienten möglichst früh und ohne aufwändige Eingriffe aufspüren können. Dabei gibt es Anfangserfolge, noch ist allerdings nicht ausgemacht, nach welchen Merkmalen von Tumorerkrankungen man mit solchen "Liquid Biopsies" am besten Ausschau halten sollte. Zuletzt hatte ein Team im Blut nach Tumorviren gesucht, nun stellen zwei weitere Gruppen alternative Verfahren vor: Eines spürte Lungenkrebs anhand von Tumor-RNA in Blutzellen auf, ein zweites versucht verschiedene andere Krebsvarianten anhand von im Blut zirkulierenden DNA-Stücken zu diagnostizieren.

Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile und sind derzeit nicht ausgereift genug, um tatsächlich im klinischen Alltag Nutzen zu bringen – noch. Forscher aus den Niederlanden suchten in ihrem Experiment in Blutproben von Gesunden und rund 700 Patienten mit späten Stadien von nicht kleinzelligem Lungenkrebs nach Auffälligkeiten. Das Team hatte vermutet, dass tumorspezifische Erbgutabschnitte in nachweisbaren Mengen in den Blutplättchen zu finden sein könnten: Die in den Gefäßen zirkulierenden Thrombozyten nehmen fremde RNA-Moleküle auf und reichern sie im Zellkern an. Die Mediziner scannten die Blutplättchen nun nach etwa 5000 verschiedenen RNA-Sequenzen. Tatsächlich gelang es den Forschern auf diesem Weg, bis zu 90 Prozent der Krebsfälle allein anhand der Blutprobe zu erkennen.

Solche Untersuchungen wären bei den Blutspendern zur Diagnose überflüssig gewesen – die Krankheit war im späten Stadium der freiwillig teilnehmenden Patienten fortgeschritten. Die Wissenschaftler hoffen aber, dass ihre Methode mit weiteren Verbesserungen in Kombination mit anderen Biopsieverfahren einmal einen Beitrag zu einer deutlich schnelleren Früherkennung leisten kann.

Mit einer solchen möglichen Alternative hat sich ein Team von Medizinern aus den USA beschäftigt: Sie suchten nach frei im Blut zirkulierenden DNA-Fragmenten von Tumorzellen. Diese sind extrem selten und schwer zu entdecken: Tumor-DNA stellt nur einen Bruchteil aller im Blut zirkulierenden DNA-Fragmente dar. Die Mediziner um Jillian Phallen von der Johns Hopkins University School of Medicine beschreiben nun aber im Fachblatt "Science Translational Medicine" eine sehr sensitive Methode, die sie an Blutproben von 44 Gesunden sowie 194 Patienten mit verschiedenen Krebsarten ausprobiert haben.

Vor allem durch ein deutlich leistungsstärkeres, zehntausendfach wiederholtes Sequenzierungsverfahren gelang es ihnen, im Blut der Patienten gezielt DNA-Fragmente zu erkennen, die eine oder mehrere von 58 typischen Krebs auslösenden Mutationen trugen – solche Veränderungen fanden sich dagegen nicht im Blut von Gesunden. Auffällig war zudem, dass Krebspatienten im Durchschnitt rund viermal mehr freie DNA im Blut hatten als Gesunde. Diese Fragmente stammen aber zum großen Teil nicht von Tumoren – offenbar geraten mit zunehmend schwereren Krebsformen generell immer mehr DNA-Bruchstücke in die Blutbahn.

Als weitere Alternative der "Liquid-Biopsie" gilt neben der Suche nach Tumor-RNA oder DNA im Blut auch die Suche nach ganzen Krebszellen, den zirkulierenden Tumorzellen ("circulating tumor cells", CTCs), die sich vom Ursprungstumor abgelöst haben. Diese sind allerdings extrem selten: Selbst bei fortgeschrittener Krebserkrankung findet sich nur etwa eine zirkulierende Tumorzelle zwischen Millionen normalen Blutzellen mit Zellkernen.