Wer einen Schutzhelm auf dem Kopf trägt, neigt zu riskanteren Entscheidungen – sogar dann, wenn das Schutzutensil eigentlich völlig überflüssig ist. Das zeigt nun erstmals eine Studie von Tim Gamble und Ian Walker von der University of Bath. Die Psychologen lockten 80 Versuchsteilnehmer unter dem Vorwand in ihr Labor, sie würden an einem Eye-Tracking-Experiment teilnehmen. Dabei werden üblicherweise die Blickbewegungen einer Person gemessen. Die Probanden sollten am Computerbildschirm einen virtuellen Ballon aufblasen. Je mehr Luft sie in ihn hineinpumpten, desto mehr Punkte erhielten sie dafür. Platzte der Ballon allerdings, verloren sie auf einen Schlag alles. Während des gesamten Versuchs trugen die Teilnehmer entweder einen Fahrradhelm oder eine Baseballkappe auf dem Kopf – vorgeblich, um das Eye-Tracking-Gerät zu unterstützen, wie die Forscher ihnen erklärten.

Obwohl ganz offensichtlich keine der beiden Kopfbedeckungen die Probanden vor dem Punkteverlust im Spiel schützen konnte, neigten jene mit Fahrradhelm dennoch dazu, höher zu pokern und größere Risiken einzugehen. In einer anschließenden Befragung gaben sie zudem an, sich besonders abenteuerlustig zu fühlen. Ganz ähnliche Phänomene beobachteten Wissenschaftler in der Vergangenheit bereits auch in Studien mit Autofahrern, die plötzlich ihr Fahrverhalten änderten, wenn sie angeschnallt waren, oder bei American-Football-Spielern, die ihre Gegner ebenfalls mit Schutzhelm rücksichtsloser "umtackelten", erklärt Walker. In all diesen Fällen stand die Schutzausrüstung aber immer im unmittelbaren Zusammenhang mit der untersuchten Aktivität. Die Ergebnisse der aktuellen Studie deuten nun darauf hin, dass wir uns auch ganz grundsätzlich waghalsiger verhalten, wenn wir uns gut geschützt fühlen.

"All das heißt nicht, dass Menschen keine Schutzausrüstung tragen sollten. Es zeigt aber, dass das Thema weitaus komplizierter ist, als viele glauben", sagt Gamble. So könne sich etwa auch die Forderung nach der viel diskutierten Helmpflicht für Fahrradfahrer als zweischneidiges Schwert erweisen. Inwieweit sich die Erkenntnisse auf die Realität außerhalb des Labors übertragen lassen, bleibt aber erst einmal unklar. Ein echter Feldversuch steht noch aus.