Seit Kurzem fliegen sechs Exemplare des winzigsten je in den Orbit geschossenen Satelliten: die "Sprites", die im Wesentlichen eine briefmarkengroße, nur rund vier Gramm schwere, mit Sonnenkollektoren ausgestattete Rechnerplatine inklusive einiger Sensoren und einem Funkmodul darstellen. Dies berichtet die vom russischen Milliardär Yuri Milner gesponserte Breakthrough-Starshot-Initiative, die sich die Mission zunächst rund 100 Millionen US-Dollar hat kosten lassen. Die Prototypen sollen nun vor allem testen, ob ihre elektronischen Komponenten im Orbit zuverlässig arbeiten und kommunizieren – falls das klappt, soll irgendwann einmal ein durch Licht angetriebener "Sprite"-Schwarm zu einer Mission jenseits des Sonnensystems geschickt werden: Die Firma plant noch zur Mitte dieses Jahrhunderts eine Reise zu unserem Nachbarsternensystem von Alpha Centauri, das mit annähernd 20-prozentiger Lichtgeschwindigkeit in nur 20 Jahren erreicht werden soll.

Die gerade gestarteten Sprites sind allerdings "eine noch recht frühe Version von dem, was wir einmal auf interstellare Distanzen schicken möchten", erklärt Pete Worden von Breakthrough Starshot, ein früherer NASA-Mitarbeiter. Jedenfalls erlaubt die geringe Masse den Sprites Positionsveränderungen im All, die allein durch den Druck einzelner Photonen getrieben werden. Sie könnten sich, so die Vision, aber etwa auch zu ultradünnen, lichtsegelartigen Strukturen zusammenschließen, die – vielleicht nach einem ordentlichen Laseranschub vom Boden aus – durch weitere schwache Lichteinstrahlung allmählich immer weiter beschleunigen.

Im Augenblick allerdings kleben zwei der Sprite-Prototypen noch an den kommerziellen Satelliten "Venta" und "Max Valier", mit denen sie huckepack in den Orbit befördert wurden. Vier weitere Exemplare sollen nun freigesetzt werden, um erste Testreihen zu starten. Dabei möchten die Forscher vor allem verfolgen, wie die Miniatursonden vom Licht umhergewirbelt werden. Im Augenblick arbeitet die Bodencrew jedoch vorrangig noch daran, die schwachen Radiosignale der beiden schon aktiven Sprites nicht nur sporadisch aufzufangen – kein Wunder, da jeder Sprite auch bei voller Lichteinstrahlung nur rund 100 Milliwatt für alle Prozesse einschließlich der Sendeleistung zur Verfügung hat. Ebendaher sei, so die Missionsleitung, das Machbarkeitsexperiment schon ein "hundertprozentiger Erfolg" auf dem noch langen Weg zu Alpha Centauri.

Ein interstellares Gefährt aus einer Miniatursonden-Wolke könne jedenfalls enorm vielgestaltig sein, so die Forscher überzeugt. Mittelfristig vor dem Start zu den Nachbarsternen sei etwa denkbar, ein 3-D-Netz von Sprites als Antennenstruktur im erdfernen Raum zu parken, mit dem beispielsweise das Weltraumwetter beobachtet und eine Sonnensturmvorhersage erleichtert wird.