Im Zentrum der neun Milliarden Jahre alten Galaxie SAGE0536AGN befindet sich offensichtlich ein Schwarzes Loch, das das Vorstellungsvermögen der Astronomen sprengt: Es ist viel massereicher, als es gegenwärtige Theorien zur Entwicklung von Sternensystemen erlauben. Dies ergab eine Datenanalyse von Jacco van Loon von der Keele University und seinem Team: Sie hatten mit Hilfe des Southern African Large Telescopes die Geschwindigkeit vermessen, mit der Gasströme um das Schwerkraftmonster rasen. Dabei werden die Moleküle so stark beschleunigt, dass sie Licht abstrahlen, das mit speziellen Detektoren auf der Erde oder mit Weltraumteleskopen erfasst werden kann. Je breiter die gemessenen Emissionslinien ausfallen, desto massereicher ist auch das verantwortliche Schwarze Loch. Im Fall von SAGE0536AGN entspricht die Masse demnach 350 Millionen Mal derjenigen unserer Sonne.

Die Gesamtmasse aller Sterne dieser Galaxie geben die Forscher mit 25 Milliarden Sonnenmassen an: Sie ist also 70 Mal massereicher als ihr zentrales Schwarzes Loch, doch reiche das nicht aus, um das Phänomen in ihrem Mittelpunkt zu erklären. Das Schwarze Loch ist 30 Mal größer, als es für eine derartige Galaxie eigentlich möglich sein sollte, so van Loon und Co. "Es ist viel zu groß für seine Stiefel", sagte van Loon. Normalerweise wachsen Schwarze Löcher im gleichen Maß wie ihre Galaxien, wenn diese an Masse zulegen, etwa weil sie Gase aus dem All anziehen und aufnehmen. In diesem Fall nahm das Schwarze Loch entweder deutlich schneller und stärker zu – oder das Sternensystem stellte vorzeitig sein Wachstum ein. "SAGE0536AGN wurde eher zufällig entdeckt. Wir wissen also nicht, ob es ein skurriler Einzelfall ist – oder die erste Galaxie einer völlig neuen Klasse", meinen die Forscher.