Am Abend des 1. April (Ortszeit) ereignete sich vor der nordchilenischen Küste, etwa 95 Kilometer nordwestlich der Hafenstadt Iquique, ein schweres Seebeben. Das GeoForschungsZentrum Potsdam gibt die Magnitude mit 8,1, der U.S. Geological Survey und der chilenische Erdbebendienst mit 8,2 an. Die Angaben zur Tiefe des Hypozentrums schwanken zwischen 20,1 Kilometern (U.S. Geological Survey), 34 Kilometern (Helmholtz-Zentrum Potsdam) und 39 Kilometern (Centro Sísmologico Nacional). Eine darauf folgende Tsunamiwarnung wurde noch am Mittwoch wieder aufgehoben, bislang ist von sechs Toten die Rede. Die chilenischen Behörden ordneten die Evakuierung der Städte Iquique und Arica an, teils schwere Nachbeben lösten entlang der Küste weitere Evakuierungs- und sonstige Sicherheitsmaßnahmen aus. Die japanischen Behörden meldeten inzwischen Tsunamiwellen von 40 Zentimeter Höhe, die auf das Seebeben zurückzuführen sind.

Historie der Beben vor Chile
© Manuela Dziggel, GFZ Potsdam
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Das Beben ereignete sich um 20.46 Uhr Ortszeit (1.46 Uhr MESZ) und folgte auf mehrere stärkere Erdstöße seit Mitte März. Auslöser der Beben entlang der Westküste des südamerikanischen Kontinents ist das Abtauchen der Nazca-Platte mit einer Geschwindigkeit von etwa sechs bis acht Zentimetern pro Jahr unter die östlich liegende Südamerikanische Platte. Die jetzige Bebenregion galt jedoch seit Langem als "seismische Lücke" – hier hatte es 1877 den letzten schweren Erdstoß gegeben (Magnitude 8,8). Weiter südlich löste die Subduktion 1960 dagegen das bislang stärkste bekannte Beben mit einer Magnitude von 9,5 aus.

Forscher des GeoForschungsZentrums Potsdam warnen, dass das schwere Beben und auch die teils starken Nachbeben den tektonischen Stress in der Region bei Weitem nicht gelöst haben. So habe das Beben zwar das Mittelstück der seismischen Lücke auf etwa 100 Kilometer und damit einem Drittel der Länge gebrochen. Nördlich und südlich davon bleiben damit aber noch große Segmente, denen dieser Spannungsabbau noch bevorsteht – und das könnte weitere sehr starke Beben hervorrufen. Ein Nachbeben mit Magnitude 7,6 etwa fand 100 Kilometer südlich des Starkbebens statt und eröffnete so einen zweiten Erdbebenherd.

Animation der Erdbebenserie
© Joachim Saul, GFZ Potsdam
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Das schwere Beben vom 2. April folgte auf erhöhte seismische Aktivität seit Mitte März. Inzwischen wurden hunderte weitere Nachbeben registriert.

Auslöser solcher flacher Beben sind zum einen die Verformungen der Erdkruste der stationären Südamerikanischen Platte, die von der Nazca-Platte beim Abtauchen zusammengepresst und aufgefaltet wird. Zum anderen ereignen sich Beben auf Grund der Reibung der Platten aneinander – sie sind besonders häufig und meist auch die Ursache für verheerende Tsunamis entlang der südamerikanischen Küste. Tiefere Beben mit Hypozentren von mehr als 70 Kilometern unter der Erdoberfläche sind dort dagegen deutlich seltener.

Tektonische Platten
© U.S. Geological Survey
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Westlich vor Südamerika taucht die Nazca-Platte mit sechs bis acht Zentimetern pro Jahr unter die stationäre Südamerikanische Platte ab. Immer wieder kommt es daher in der Region zu starken Erdbeben.