Wenn Menschen vor der Wahl stehen, ob sie sofort einen kleinen oder später einen größeren Gewinn erhalten möchten, erfordert es Selbstbeherrschung, sich für die verzögerte Belohnung zu entscheiden. Statt jedoch aufwändig zu trainieren, sich selbst möglichst gut unter Kontrolle zu haben, könnte es laut Eran Magen von der University of Pennsylvania und seinen Kollegen auch helfen, sich einfach alle Auswirkungen einer Entscheidung vor Augen zu führen.

Die Forscher befragten Probanden, wie zufrieden sie wären, wenn sie sofort sechs Dollar bekämen oder nächsten Monat acht Dollar. Viele der Versuchsteilnehmer gaben an, durch das schnelle Geld glücklicher zu sein. Formulierten die Wissenschaftler die Auswahl allerdings ausführlicher, nämlich: "Sie könnten entweder jetzt sechs Dollar und nächsten Monat null Dollar bekommen oder jetzt null Dollar und nächsten Monat acht Dollar", erschien die verzögerte Alternative reizvoller. Dies spiegelte sich auch in Hirnscans: Hörten die Probanden alle jetzigen und zukünftigen Auswirkungen, sprach der sofortige Gewinn ihr Belohnungssystem in geringerem Maß an. Wenn sie sich für die verzögerte höhere Zahlung entschieden, benötigten sie in diesem Fall außerdem weniger Willenskraft, was sich an einer verringerten Aktivität im präfrontalen Kortex ablesen ließ.

Die Ergebnisse seien möglicherweise auch auf andere Lebensbereiche übertragbar, meinen die Forscher. Statt der Entscheidung: "Soll ich diesen Keks essen oder nicht" solle man sich selbst vor die Wahl stellen: "Soll ich diesen Keks essen und morgen mehr wiegen, oder soll ich darauf verzichten und dafür meinem Wunschgewicht näher kommen?"