Er ist größer als ein Schwertwal, und doch übersahen Meeresbiologen lange den Omurawal (Balaenoptera omurai): Erst im Jahr 2003 beschrieben japanische Wissenschaftler diese Art – durch Walfänger getötete Exemplare wurden zuvor als kleine Exemplare des Brydewals betrachtet. Seit der offiziellen Anerkennung als eigenständige Spezies hat die Erforschung der Omurawale kaum Fortschritte gemacht, doch das könnte sich nun langsam ändern, denn Salvatore Cerchio vom New England Aquarium in Boston und sein Team entdeckten und beobachteten eine Population der Meeressäuger vor der Nordwestküste Madagaskars. Erstmals gelangen ihnen dabei auch Film- und Tonaufnahmen der Tiere, die bisweilen als Zwergfinnwale bezeichnet werden.

Eine DNA-Analyse deutet zudem an, dass die Omurawale wahrscheinlich relativ selten sind, da sie eine vergleichsweise geringe genetische Diversität untereinander aufweisen. Die Tiere scheinen zumindest regional relativ flache und warme Schelfwassergebiete zu bevorzugen, wo sie Zooplankton aus dem Wasser filtern. Wiederholte Sichtungen einzelner Weibchen über zwei Jahre hinweg deuten an, dass die Wale entweder ortstreu sind oder die gleichen Regionen regelmäßig ansteuern. Zudem leben diese Meeressäuger entweder einzeln oder nur in kleinen Gruppen. Mit dem Fund vor Madagaskar vergrößert sich das bislang vermutete Verbreitungsgebiet deutlich, das bislang schwerpunktmäßig im östlichen Indischen Ozean und in Teilen des Pazifiks vermutet worden war. Allerdings wurde im November 2013 ein toter Omurawal an der mauretanischen Küste angeschwemmt, wie kürzlich im Journal "Marine Biology Research" gemeldet wurde – der erste Nachweis im Atlantik. Unklar ist dabei, ob es sich um einen weit vom Weg abgekommenen Wanderer handelt – oder um einen Teil einer bislang unbekannten Population in diesem Ozean.