Wenn es darum geht, Geld mit anderen zu teilen, zeigen sich Frauen im Schnitt meist etwas großzügiger als Männer. Darauf deuten zumindest zahlreiche Verhaltensexperimente hin. Wie Wissenschaftler um Alexander Soutschek von der Universität Zürich nun im Fachmagazin "Nature Human Behaviour" berichten, spiegelt sich dieser Unterschied auch im Gehirn wider: Bei Frauen reagieren Areale des Belohnungssystems offenbar stärker auf prosoziale als auf selbstsüchtige Entscheidungen.

Das Team um Soutschek stellte je rund 20 Männer und Frauen im Hirnscanner wiederholt vor die Wahl: Sie konnten entweder eine Geldsumme zwischen 7 und 15 Schweizer Franken komplett selbst einstreichen oder den Betrag mit einer anderen Person teilen. Dabei entdeckten die Forscher, dass das Striatum – eine Hirnregion, die unter anderem an der Verarbeitung und Bewertung von Belohnungsreizen beteiligt ist – sich bei den weiblichen Probanden immer dann verstärkt regte, wenn sie ihren Gewinn nicht für sich selbst behielten, sondern etwas davon abgaben. Bei den männlichen Teilnehmern zeigte sich dagegen der umgekehrte Effekt.

In einem anderen Experiment verabreichten Soutschek und sein Team 56 Männern und Frauen ein Medikament, das die Wirkung des Botenstoffs Dopamin blockiert. Dopamin spielt im Belohnungssystem des Gehirns eine wichtige Rolle. Unter dem Einfluss des Präparats verhielten sich die weiblichen Teilnehmer plötzlich egoistischer, während die männlichen Versuchspersonen auf einmal sozialer entschieden. Auf das Gedächtnis oder das allgemeine Denkvermögen der Teilnehmer hatte das Medikament dagegen keinen Einfluss. Und auch ein Vergleichstest, bei dem die Probanden zwischen einer sofortigen, geringen Belohnung und einer aufgeschobenen, dafür aber großzügigeren Summe wählen mussten, förderte unter dem Einfluss des Dopaminantagonisten keine Geschlechterunterschiede zu Tage.

Die Schweizer Forscher sind sich deshalb sicher, auf eine Art neuronalen Mechanismus gestoßen zu sein, der erklären könnte, warum sich Frauen oft freigiebiger als Männer verhalten: Ihr Gehirn reagiert darauf anscheinend positiver. Inwiefern dieser Unterschied angeboren ist oder vielmehr durch kulturelle Erwartungen und Geschlechterstereotype zu Stande kommt, lässt sich auf Grundlage der Studienergebnisse allerdings nicht beurteilen.