Der brasilianische Amazonasregenwald nimmt eine Fläche von 3,1 Millionen Quadratkilometern ein – und teilt sich auf rund 300 000 Waldstücke unterschiedlicher Größe auf. Das ist das Ergebnis einer Fleißarbeit von Sandro Pütz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig und seinen Kollegen: Sie analysierten Satellitenbilder der Region mit einer extrem hohen Auflösung von bis zu zirka 30 Metern. Vor allem wollten sie mit diesen Daten jedoch herausfinden, wie stark so genannte Randeffekte das Ökosystem und dessen Kohlenstoffgehalt beeinflussen. Waldränder beeinflussen die Regenwaldvegetation nachhaltig, da viele Arten an geschlossene Vegetation angepasst sind und darunter leiden, wenn Menschen den Lebensraum zum Beispiel durch Straßenbau auflichten. Der erhöhte Hitze-, Strahlungs- oder Trockenheitsstress lässt Bäume absterben, weshalb betroffene Waldstücke mehr Kohlendioxid freisetzen, als sie neu speichern – die Senke wird zur klimabeeinflussenden Quelle.

Ausgehend von vorhandenen Messungen am Boden rechnen die Geowissenschaftler damit, dass die Randeffekte im Amazonasregenwald jährlich 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid freisetzen – Tendenz wegen der fortgesetzten Rodungen steigend. Noch schlechter sieht es prozentual gesehen sogar im brasilianischen Atlantikregenwald aus, der sich an der Küste entlangzieht und bereits zu 90 Prozent abgeholzt wurde. Die restlichen 157 000 Quadratkilometer verteilen sich auf 245 000 Fragmente, von denen 90 Prozent kleiner als 100 Hektar sind. Etwa 46 Prozent des verbliebenen Ökosystems sind daher Randeffekten ausgesetzt – was jährlich 6,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid zusätzlich freisetzt. Momentan nimmt der atmosphärische Kohlenstoffgehalt um vier Gigatonnen pro Jahr zu, ein Viertel davon geht wiederum auf die Abholzung tropischer Regenwälder zurück – dazu kommen nun noch weitere 0,2 Gigatonnen wegen der Fragmentierung der Ökosysteme. Um die Erderwärmung zumindest dadurch nicht noch weiter zu fördern, sollten Waldstücke flächenmäßig nicht unter kompakte 10 000 Hektar schrumpfen, so die Forscher. Dann gehe der zusätzliche Kohlenstoffverlust auf nahezu null zurück.