Wann der erste Mensch den amerikanischen Kontinent betrat, ist in Forscherkreisen umstritten – als sicher gilt aber, dass dies von Norden her über die Beringia-Landbrücke aus Sibirien geschah und wohl viel früher, als man noch vor Kurzem gemutmaßt hatte. Genvergleiche heutiger Ureinwohner zeigen, dass diese bereits vor rund 14 000 Jahren in zwei unabhängigen Wanderungswellen Nordamerika besiedelt hatten. Eher umstrittene Belege deuten aber zudem darauf hin, dass es sogar in Südamerika schon vor mehr als 14 000 Jahren Menschen gegeben hat: am steinzeitlichen Lagerplatz Monte Verde in Südchile, der seit 1977 von Tom Dillehays Team von der Vanderbilt University in Nashville untersucht wird. Nun liefert Dillehay neue, noch ältere Belege nach: Bei den letzten Ausgrabungen legten Archäologen Feuerstellen in Erdschichten frei, die sich noch deutlich unter früheren Funden befanden.

Nach den Auswertungen des Teams sind hier Knochen und Pflanzenmaterialien verbrannt, die zum großen Teil aus der weiteren Umgebung herbeigeschafft wurden – womöglich sogar von der anderen Seite der Anden, so Dillehay. Einige der Schlachttiere, deren Knochen gefunden wurden, haben den Analysen zufolge vor 14 000 bis 19 000 Jahren gelebt. Dies könnte bedeuten, dass Menschen schon seit zumindest rund 18 500 Jahren vor Ort gelebt und gejagt haben – viel länger als bisher gedacht.

Die ersten Amerikaner müssten demzufolge bei der Besiedlung des menschenleeren Doppelkontinents sehr schnell vorwärtsgekommen sein – vielleicht entlang der Küstenlinie, die vermutlich keine gänzlich neuen Herausforderungen an die Lebensweise der Siedler gestellt hat. Vor 25 000 Jahren dürften in Ostasien an der Pazifikküste ähnliche, den Menschen vertraute Verhältnisse geherrscht haben wie an der Westküste Amerikas. Zumindest kleine Gruppen könnten dann sehr schnell nach ihrem Trip von Sibirien nach Alaska in den Süden gelangt sein. Man wusste bereits, dass spätere Amerikaner sich aus einer größeren Gruppe von Siedlern rekrutierten, die in Beringia längere Zeit isoliert waren. Vielleicht haben sich diese Menschen dann mit den aus dem Süden wieder nach Norden vordringenden älteren Siedlern vermischt – dies würde etwa einige genetische Besonderheiten im Erbgut der indigenen Amerikaner erklären. Manche Forscher haben darin eine bis dato unbekannte, offenbar ältere Beimengung aus unbekannten Quellen gefunden, auf die man sich keinen Reim machen kann.