Wissen Sie, wie viele wissenschaftliche Artikel jedes Jahr publiziert werden? Laut dem "STEM Report" veröffentlichen Forscherinnen und Forscher mittlerweile rund 2,5 Millionen Paper während dieses Zeitraums – und nicht alle haben nobelpreiswürdigen Charakter. Einige der besonders abstrusen, bizarren, skurrilen und lustigen Arbeiten werden stattdessen augenzwinkernd mit dem Ig-Nobelpreis gewürdigt, abgeleitet vom Wort "ignoble" – zu Deutsch: unwürdig.

Bei näherem Hinsehen entpuppen sich viele diese Arbeiten aber natürlich doch als sinnvoll. Darunter fällt beispielsweise die Studie des internationalen Teams um den Schweizer Epidemiologen Milo Puhan mit dem wunderbaren Titel "Didgeridoo Playing as Alternative Treatment for Obstructive Sleep Apnoea Syndrome: Randomised Controlled Trial". Wer weiß, wie sehr lautes Schnarchen eine Beziehung belasten kann und welche gesundheitlichen Schäden durch Schlafapnoe drohen, wird froh sein, dass regelmäßiges Didgeridoo-Spielen tatsächlich die Schlafqualität steigert und den Lärmpegel im Schlafzimmer mindert. Und deshalb ist es auch durchaus gerechtfertigt, dass Puhan und Kollegen mit einem Preisgeld in Billionenhöhe ausgezeichnet wurden. Sie erhielten einen Schein mit Nennwert zehn Billionen Dollar – leider der Simbabwe-Sorte: Umgerechnet ist er nur 40 US-Cent wert. Geklärt werden muss in einer Nachfolgestudie zudem noch, ob statt des Schnarchens das Dröhnen des Didgeridoos die Partnerschaft beeinträchtigt.

Unbekannt ist auch, ob die Forscher um Marc-Antoine Fardin bei ihrer Arbeit an Erwin Schrödinger und seine Katze dachten: Sie wollten herausfinden, ob eine Katze nun flüssig, fest oder beides zugleich sein kann, was sich anhand flüssigkeitsdynamischer Berechnungen wohl durchaus andeuten lässt. Es seien aber noch weitere Arbeiten nötig, um die Frage abschließend zu beantworten, so die Physiker. Zugleich versicherten sie, dass keine Katze für ihre Forschung durch Leitungen gespült oder anderweitig misshandelt wurde.

Ebenfalls der Flüssigkeitsdynamik nahm sich der Südkoreaner Jiwon Han an, der wissen wollte, ob man Kaffee in einer Tasse wesentlich schneller verschüttet als Wein im Glas – wenn man rückwärtsgeht. Die Antwort: Der Kaffee verkleckert die Hose oder den Boden rascher. Und natürlich finden sich auch wieder Laureaten im Bereich der Medizin. Ein französisch-britisches Team untersuchte, wie das Hirn beim Anblick von Käse reagiert, wenn sich der Proband davor ekelt. Auch dafür kann man Magnetresonanztomografen einsetzen. Immerhin: Die Studie konnte klären, dass einem höheren Prozentsatz der Menschen vor Käse graust als vor allen anderen gezeigten Lebensmitteln.

Im Bereich der Ernährung dachten die Veranstalter an der Harvard University auch an Vampirfledermäuse – und dass die Tiere offensichtlich ebenfalls Gefallen an menschlichem Blut gefunden haben. Schließlich dringen Siedler tiefer in den Regen- und tropischen Trockenwald vor und verdrängen die natürlichen Opfer der Fledertiere, weswegen diese auf Ersatz angewiesen sind. Neben unserem Saft delektieren die Tiere sich zudem häufig an Hühnern. Sie sind also flexibel. Und viel zu selten wird die Geburtshilfe gewürdigt. Doch 2017 dürfen sich Marisa López-Teijón und ihr Team freuen: Sie erhalten die Billionen unter anderem für eine Studie dazu, wie sich der fötale Gesichtsausdruck ändert, wenn den heranwachsenden Babys Musik in der Vagina ihrer Mutter vorgespielt wird. Besser kann es eigentlich nicht mehr werden …

Wie in jedem Jahr schloss Marc Abrahams, der Zeremonienmeister und Herausgeber des preisstiftenden Magazins, deshalb die Veranstaltung mit den Worten: "Wenn Sie heute Abend keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben – und insbesondere wenn Sie einen gewonnen haben –, viel Glück im nächsten Jahr."