Wer seine Mikrowelle schnell ruinieren will, der sollte darin ein rohes Ei kochen. Schon nach kurzer Zeit explodiert es, weil sich durch das Erhitzen Überdruck unter der Schale aufbaut, bis sich dieser entlädt – und die Sauerei in jede Ecke des Geräteinneren verteilt. Auch bereits fertig zubereitete Eier können sich beim nochmaligen Erhitzen im Gerät "entladen". Diese Art des Kochens kann zudem gefährlich für den Konsumenten werden und mit schweren Schäden enden, wie Anthony Nash und Lauren von Blohn von der Beraterfirma Charles M. Salter Associates in San Francisco während der 174. Jahrestagung der Acoustical Society of America beschrieben haben. Sie fertigten ihre Studie im Rahmen eines Rechtsstreits: Ein Kläger hatte in einem Restaurant schwere Verbrennungen und einen Gehörschaden erlitten, nachdem er in ein in der Mikrowelle erhitztes – und bereits hart gekochtes – Ei gebissen hatte. Dabei explodierte es in seinem Mund. "Wir mussten den Spitzenwert des Schalldrucks messen, wenn ein Ei explodiert, und diesen mit üblichen Kriterien für Gehörschäden abgleichen", so Nash.

Die Versuche dazu sind nicht ganz unproblematisch. Im Internet kursieren zwar zahlreiche Videos von Versuchen, an deren Ende das Ei in der Mikrowelle explodiert. Doch diese fänden nicht unter strengen wissenschaftlichen Maßstäben statt. Verschiedene Variablen wie Eigröße und -form würden dabei ebenso wenig erfasst wie Temperaturen im Ei oder auftretende Geräuschemissionen. Nash und von Blohn entwickelten daher eine eigene Versuchsreihe. Dazu erhitzten sie hart gekochte Eier jeweils drei Minuten lang in einem Wasserbad, dessen Temperatur sie nach der Hälfte der Zeit und am Ende maßen. Danach platzierten sie die Eier auf dem Boden und punktierten sie zackig mit einem spitzen Fleischthermometer, um eine Explosion auszulösen.

Dabei ging zwar nur ein Teil der Eier in die Luft, doch konnten die beiden Gutachter jeweils zeigen, dass die Temperatur im Eidotter deutlich über jener des Wasserbads lag. Es hatte sich also stärker aufgeheizt. Nash und von Blohn vermuten, dass die Proteinmatrix des Eigelbs Wasser in kleinen Taschen einschließt, wo es sich über den eigentlichen Siedepunkt aufheizen kann. Werden diese Taschen angestochen – oder angebissen – kommt es zu einer fatalen Kettenreaktion, an deren Ende eine Dampfexplosion steht. Und das erkläre die heftigen Verbrennungsschäden des Klägers, so die beiden Gutachter.

Einfacher lassen sich dagegen die Hörschäden erklären: Bei den Explosionen traten Schallspitzen zwischen 86 bis 133 Dezibel auf. Das entspricht am unteren Ende dem Lärm eines Lkws, das obere Ende bewegt sich bereits oberhalb der Schmerzschwelle von Menschen und schädigt die Sinneszellen im Ohr. Rund 30 Prozent der getesteten Eier überlebten ihre Runden in der Mikrowelle, die Mehrzahl ging bereits im Gerät kaputt. Die Wahrscheinlichkeit, sich daran zu verletzen, ist also relativ gering, die Folgen können aber gravierend sein – nicht nur für die Technik.