Es war eine Fleißarbeit, die Hans ter Steege vom Naturalis Biodiversity Center in Leiden und sein Team während der letzten Jahre leisteten. Sie wühlten sich durch über 530 000 digitalisierte Belege von Samen, Früchten und Blättern, die seit 1707 in Amazonien gesammelt worden waren und in Museen weltweit aufbewahrt werden. Am Ende erhielten sie jedoch die erste vollständige Liste der bislang bekannten Baumarten der Region. Exakt 11 676 Spezies aus 140 Familien hatten Botaniker bis 2015 beschrieben – ein Beleg für den extremen Reichtum der südamerikanischen Regenwälder am mächtigsten Fluss der Erde. Daraus wollen sie im Lauf der Zeit ein Wiki entwickeln, an dem Wissenschaftler weltweit arbeiten und es ergänzen können, so die Forscher gegenüber der "New York Times".

Die Zahl komme zudem der von ihm und Kollegen vor einigen Jahren publizierten Schätzung von insgesamt etwa 16 000 Baumarten in Amazonien schon nahe, meint ter Steege. Sie wurden damals heftig dafür kritisiert, da diese auf einer Hochrechnung basierte. Da bisher lange nicht alle Teile der Region systematisch erforscht wurden und weitere Spezies womöglich unbeschrieben in Sammlungen lagern, könnten durchaus noch tausende Baumarten im Regenwald unentdeckt sein. Besonders aktiv waren die Botaniker um 1840, 1920 und ab 1980, als große Forschungsvorhaben in Amazonien gestartet wurden. In den letzten 20 Jahren nahm die Zahl der Erstbeschreibungen dagegen ab, weil leicht zugängliche Gebiete gut erforscht sind. Größere Lücken herrschen aber im westlichen Amazonasgebiet Brasiliens, in Bolivien und im Bereich des Guayana-Blocks im Nordosten Amazoniens.