Autismus ist eine weit verbreitete Krankheit. Trotzdem passiert es, dass die komplexe Verhaltensstörung erst spät oder gar nicht erkannt wird. Zuverlässige Diagnosemöglichkeiten fehlen. Forscher um Timothy Roberts vom Children's Hospital in Philadelphia fanden nun heraus, dass autistische Kinder Töne und Sprache den Bruchteil einer Sekunde langsamer verarbeiten als Gesunde. Nach Meinung der Forscher gibt das Hoffnung auf eine standardisierte Diagnosemethode in der Zukunft.

Magnetenzephalografie
© Timothy Roberts
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernMagnetenzephalografie
Die Wissenschaftler haben mit Hilfe der Magnetenzephalografie (MEG) die Magnetfelder gemessen, die durch die Gehirnaktivität im Gyrus temporalis superior (STG) – dem anatomischen Sitz der Zentren zur Verarbeitung von Sprache und Tönen – entstehen, wenn akustische Signale auf autistische und gesunde Kinder einwirken. Die Forscher verglichen 25 autistische Zehnjährige mit 17 gleichaltrigen gesunden Kindern. Über Kopfhörer hörten die Probanden Töne unterschiedlicher Frequenzen. Die Studie zeigte, dass das Gehirn der Autisten mit einer Verzögerung von 11 Millisekunden reagierte – egal, ob die Kinder unter Sprachstörungen litten oder nicht.

"Eine Verzögerung von 11 Millisekunden ist zwar kurz, aber konkret heißt das zum Beispiel: Wenn ein autistisches Kind das Wort 'Elefant' hört, verarbeitet es noch immer die Silbe 'El', während andere Kinder längst weitergehen", so Roberts. "Die Verzögerungen häufen sich während eines Gesprächs an, und das Kind hinkt einem gesunden Gleichaltrigen hinterher." (pf)