Seit 75 Jahren ruht der ecuadorianische Vulkan Cotopaxi praktisch: Nur gelegentlich weisen Rauchsäulen darauf hin, dass er noch nicht erloschen ist. Dabei kann der Feuerberg auch anders, wie er 1744, 1768 und 1877 bewiesen hat – beim letzten dieser Ereignisse brach er so heftig aus, dass sein Gipfelgletscher vollständig schmolz, Lahare genannte Schlammströme über 100 Kilometer weit flossen und die Stadt Latacunga vollständig zerstörten. Alle drei Eruptionen waren so stark wie die des Eyjafjallajökull 2010, und der Vulkan befindet sich nur 50 Kilometer entfernt von der Drei-Millionen-Metropole Quito. Nun zeigt der Cotopaxi in seinem Inneren wieder erste Anzeichen für erhöhte magmatische Unruhe, berichtet der Vulkanologe Erik Klemetti auf seinem Blog.

Laut des ecuadorianischen Instituts für Geophysik, das die Vulkane des Lands überwacht, treten mittlerweile pro Tag durchschnittlich 100 kleine Erdbeben am Cotopaxi auf – mit steigender Frequenz seit Mai. Ihre seismische Signatur legt nahe, dass flüssiges Material im Berg aufsteigt, und der Vulkan bläst mittlerweile 2500 Tonnen Schwefeldioxid in die Atmosphäre: das Fünffache der normalen Werte aus den vergangenen Jahren. Zudem bläht sich seine Nordostflanke auf, was Klemetti insgesamt als deutliches Zeichen dafür interpretiert, dass sich der Cotopaxi aufheizt. Das bedeute zwar alles noch nicht, dass der Vulkan tatsächlich explosiv ausbrechten müsse, doch hat seit 1940 kein größeres Ereignis am Cotopaxi mehr stattgefunden. Hinzu kommt die Gletscherschmelze, die durch steigende Temperaturen verursacht wird und die Eiskappe des Feuerbergs schrumpfen lässt. Geophysiker stellten aber fest, dass die dadurch ausgelöste Druckentlastung Vulkane wieder aktiver werden lässt. Die Menschen rund um den Cotopaxi sollten also in Alarmbereitschaft bleiben.