Straßenlaternen, Ampeln und beleuchtete Wohngebäude erhellen die Nacht immer mehr und bringen damit die innere Uhr von zahlreichen tag- wie nachtaktiven Tieren durcheinander. Wie Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen nun berichten, sorgt das nächtliche Kunstlicht inzwischen sogar dafür, dass verschiedene Singvogelarten immer früher in der Saison beginnen, ihre morgendlichen und abendlichen Lieder anzustimmen.

Die Wissenschaftler belauschten von Januar bis April mit Hilfe von Mikrofonen täglich Rotkehlchen, Amseln, Singdrosseln, Blaumeisen, Kohlmeisen und Buchfinken an sechs dunklen Standorten sowie an sechs Standorten, die nachts von Straßenlaternen beleuchtet wurden. Dabei entdeckten sie, dass vor allem Rotkehlchen und Amsel, die üblicherweise schon vor Sonnenaufgang mit ihrem Gesang loslegen, an hellen Orten besonders früh im Jahr zu singen begannen. Bei Kohl- und Blaumeisen zeigte sich ein etwas schwächerer Effekt, die Singdrossel sang im Gegenteil sogar erst später. Einzig der Buchfink zeigte sich unbeeindruckt vom künstlichen Licht in der Nacht.

Da die morgendlichen und abendlichen Gesänge sowohl der Verteidigung des eigenen Territoriums als auch der Partnersuche dienen, könnte die Verschiebung des Gesangs durchaus lebenswichtige Konsequenzen für die Tiere selbst und ihre Nachkommen haben. So wäre es zum Beispiel denkbar, dass die Vögel mehr Junge bekommen, wenn sie früher singen, dadurch früher einen Partner finden und somit auch früher brüten, mutmaßen die Forscher. Schlecht wäre es allerdings, wenn dann saisonal bedingt noch nicht genug Nahrung für den Nachwuchs zur Verfügung stünde.