Mit fremden Menschen fühlen wir oft nicht so gut mit wie mit Freunden. Ein Grund dafür ist offenbar eine Stressreaktion, die die Begegnung mit einem Fremden in uns auslöst. Das berichtet ein Forscherteam um Loren J. Martin von der McGill University in Montreal (Kanada).

Die Wissenschaftler baten Studenten, zunächst allein und anschließend zeitgleich mit einem Freund oder einem Fremden ihre Hand in einen Bottich voll Eiswasser zu tauchen. Danach sollten die Probanden jeweils die Stärke des empfundenen Schmerzes einschätzen. Es zeigte sich, dass die Versuchspersonen von stärkeren Schmerzen berichten, wenn ein Freund den Test gleichzeitig mit ihnen durchstehen musste – sie spürten die Schmerzen des anderen also zusätzlich zu den eigenen, schlussfolgern die Forscher. Kannten sich die Probanden zuvor nicht, blieb diese Reaktion dagegen aus.

Martin und ihre Kollegen vermuteten, dass dies an der Anspannung lag, die das Zusammentreffen mit einem Fremden grundsätzlich auslöst. Daher verabreichten sie einem Teil ihrer Versuchspersonen ein Medikament, welches das Stresshormon Cortisol hemmt. Und tatsächlich: Nun berichteten die Studenten auch dann von stärkeren Schmerzen, wenn der Leidensgenosse ein Unbekannter war. Zum selben Resultat kam das Forscherteam zuvor schon in einem Experiment mit Mäusen.

Als man den gleichen Test mit einer anderen Methode zur Stressreduktion durchführte (die einander Fremden spielten zuvor eine Viertelstunde lang das Videospiel "Rock Band"), erwies sich diese kurze Interaktion als ebenso hilfreich wie die Antistresspille.