Eine drastische Warnung, welche Dimensionen der Ebolaausbruch in Westafrika ohne effektive Kontrolle annehmen könnte, liefert ein mathematisches Modell zweier Forscher. Nach den Berechnungen von Hiroshi Nishiura von der Universität Tokio und Gerardo Chowell von den National Institutes of Health könnten bis Ende des Jahres 80 000 bis 280 000 Menschen in Westafrika mit Ebola infiziert werden, wenn sich die Krankheit weiter nach dem gegenwärtigen Muster ausbreitet.

Die beiden Forscher berechneten aus den vorliegenden Daten die so genannte Reproduktionszahl, die angibt, wie viele andere Menschen sich im Durchschnitt an einem Ebolapatienten anstecken. Liegt diese Zahl unter 1, sinkt die Zahl der Fälle, ist sie dagegen größer als 1, breitet sich die Krankheit aus. Wie die Forscher schreiben, liegt die Reproduktionszahl für Ebola derzeit zwischen 1,4 und 1,7; die Epidemie wächst derzeit an. Aus diesen Zahlen berechneten die Forscher, wie sich die Fallzahlen bis Ende des Jahres entwickeln, sollten diese Werte gleich bleiben.

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass sich diese Zahlen bewahrheiten – dazu ist das Modell zu simpel. Die Forscher erwarten, dass die Reproduktionszahl im Lauf der Zeit abnimmt, so dass die tatsächlichen Fallzahlen niedriger sein werden.