Stürmischer Saturn

Auf den meisten Raumsondenbildern und im Teleskop erweckt die Oberfläche des Ringplaneten Saturn einen sehr ruhigen und gleichförmigen Eindruck. Schaut man sich den Saturn aber aus der Nähe mit schmalbandigen Filtern an, so ändert sich dies drastisch, denn ein großer Teil der Oberfläche ist mit Wirbelstürmen bedeckt.
Der hohe Norden des Ringplaneten Saturn
© NASA, JPL / SSI
(Ausschnitt)
Die Raumsonde Cassini durchstreift das Saturnsystem nun schon seit mehr als vier Jahren und untersucht dort die Ringe und Monde des Planeten. Aber auch das Wettergeschehen auf Saturn wird eingehend beobachtet. Hier blickte Cassini mit einem schmalbandigen Filter im sichtbaren Licht auf die hohen nördlichen Breiten des Ringplaneten.

Der Nordpol selbst liegt noch in der Dunkelheit, es ist zur Zeit später Nordfrühling auf Saturn. Nächstes Jahr, wenn Saturn die Kantenstellung zur Sonne erreicht und sein Äquator exakt auf die Sonne weist, wird auch der Nordpol im Sonnenlicht liegen. Dann herrscht auf dem Ringplaneten die Tag-und-Nacht-Gleiche, die alle 15 Erdjahre eintritt. Die Rotationsachse des Saturn ist rund 27 Grad gegen seine Bahnebene geneigt, so dass der Planet während seines fast 30-jährigen Umlaufs um die Sonne ausgeprägte Jahreszeiten zeigt.

Auf dem Bild fällt auf, dass die sonst ebenmäßige Oberfläche von runden und ovalen Flecken gesprenkelt ist. Alle sind Wirbelstürme von der vielfachen Größe der stärksten irdischen Sturmsysteme. Dass Saturn sonst so gleichförmig erscheint, liegt an dichten Dunstschichten über den eigentlichen Wolkendecken in der Atmosphäre. Diese nivellieren die Kontraste und machen die Stürme darunter fast unsichtbar. Außerdem sind die Wolken des Saturn nicht so vielfarbig wie auf seinem inneren Nachbarn, dem Riesenplaneten Jupiter. Warum, ist noch unverstanden, denn aus chemischer Sicht sind sich Saturn und Jupiter extrem ähnlich.

Blickt man in Richtung des Nordpols, so fällt kurz vor der Schattengrenze eine eigentümliche geknickte Linie auf. Sie ist Teil des nordpolaren Sechsecks, von dem hier zwei Ecken sichtbar sind. Bei dem exakt auf den Nordpol zentrierten Hexagon handelt es sich um eine stehende Welle in der Saturnatmosphäre. Sie wird offenbar durch Konvektionsströmungen aus dem Saturninneren erzeugt. Wie sie genau zu Stande kommt, ist nach wie vor ein Rätsel. Ein derartiges polares Sechseck wurde bislang nur auf Saturn gesichtet, am Saturnsüdpol gibt es übrigens keines.

Die Raumsonde Cassini nahm dieses Bild am 13. Juli 2008 aus einer Entfernung von rund 750000 Kilometern auf. Die Auflösung beträgt im Originalbild etwa 41 Kilometer pro Bildpunkt.

TA
© Spektrum.de

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