Seit Monaten spekuliert die Welt über "Tabbys Sterns", einen Stern, der in sehr unregelmäßigen Abständen mal heller, mal dunkler leuchtet. Die Vermutungen über die Ursache reichen von Kometenwolken bis hin zu gigantischen Alien-Konstruktionen – nun aber zeigt eine statistische Analyse der Helligkeitsschwankungen, dass das unregelmäßige Flackern wohl vom Stern selbst ausgeht. Wie Mohammed Sheikh, Richard Weaver und Karin Dahmen von der University of Illinois in Urbana-Champaign zeigen, gehorchen die Helligkeitsschwankungen einem Potenzgesetz, das man in der Physik von den Übergängen zwischen zwei Zuständen, wie zum Beispiel magnetisch und nicht magnetisch, oder der Entstehung von Lawinen kennt. Deswegen vermutet die Gruppe, dass der Stern einfach gerade zwischen zwei Zuständen hin- und herwechselt und sich deswegen so seltsam verhält.

Sheikh und seine Kollegen untersuchten speziell die Verteilung der kleineren Helligkeitsschwankungen von KIC 8462852, wie Tabbys Stern offiziell heißt. Dadurch erhielten sie eine genauere Statistik – und die deutet auf eine so genannte selbstorganisierte Kritikalität hin. Das heißt, es handelt sich um ein System, das sehr nah an der Grenze zwischen zwei grundsätzlich unterschiedlichen Zuständen ist, etwa wie ein Sandhaufen oder ein Magnet am Übergang zwischen magnetisch und nicht magnetisch. Nahe dem Übergang können einzelne Bereiche des Systems spontan von einem in den anderen Zustand übergehen, zum Beispiel kleine Teile des Sandhaufens als Lawine abrutschen. Dabei kommen kleine Lawinen sehr viel häufiger vor als große, und diese besondere Größenverteilung zeigt sich auch bei den Helligkeitsschwankungen von Tabbys Stern. Zwischen welchen beiden Zuständen sich der Stern allerdings derzeit befindet, ist noch völlig unklar – dazu weiß man zu wenig über das Objekt.