Das Wetter: Ein feuchter Gruß aus Norden

Deutschland liegt "unter der straff organisierten Frontalzone", so schreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) ziemlich unpoetisch, welches Wetter uns in den nächsten Tagen droht: Wir liegen mitten drin in einem Schlechtwetterband, das relativ schnurgerade vom Seegebiet südlich von Neufundland bis nach Mitteleuropa reicht. Es führt ein Tief nach dem anderen zu uns heran, wobei uns der erste Sturm bereits in der Nacht vom Sonntag auf den Montag erreicht und Richtung Nordosten überquert hatte. Sein Zentrum liegt mittlerweile in der Ostsee südlich von Schweden.

Sein Ersatz rauscht allerdings bereits heran und wird uns ab Dienstagnacht turbulente Wetterverhältnisse bescheren: Sturmtief "Niklas" erreicht Dienstagfrüh gegen 6 Uhr die Deutsche Bucht und rast bis zum Abend weiter Richtung polnische Ostseeküste. Sein Sturmfeld beeinflusst ganz Deutschland. Der DWD erwartet dabei stürmische Bedingungen, in den Hochlagen der Mittelgebirge und der Alpen sogar orkanartige Böen, denn verglichen mit seinem Vorgänger zieht "Niklas" nochmal etwas weiter südlich seine Bahnen. In den Staulagen von Schwarzwald, Bayerischem Wald, Harz, Erzgebirge und Alpen kann es Dauerregen und oberhalb von 800 Metern Schnee geben, wobei die Niederschläge durchaus bis Mittwoch andauern können. Dabei können auch – vor allem nach Norden und Nordosten hin – einzelne Gewitter auftreten. Und das ganze erfolgt bei frischen 7 bis 10 Grad Celsius.

Ein kräftiges Orkantief zieht über Norddeutschland hinweg zur Ostsee und beeinflusst mit seinem Sturmfeld ganz Mitteleuropa.
© Deutscher Wetterdienst (DWD)
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernWetterkarte vom Dienstag, 31. März 2015
Ein kräftiges Orkantief zieht über Norddeutschland hinweg zur Ostsee und beeinflusst mit seinem Sturmfeld ganz Mitteleuropa.

Die Ursache: Im Zentrum der Wetterküche

Sturmtief "Niklas" resultiert aus einer besonderen Kombination der Wetterküche: Der Jetstream schlägt über Mittel- und Westeuropa nach Süden aus und leitet dabei eine Schlechtwetterfront nach der anderen vom Islandtief zu uns. Dabei jagt er die eingelagerten Sturmtiefs in rascher Geschwindigkeit über den Atlantik und die Nordsee, so dass sich immer wieder neu ein starker Luftdruckgegensatz zum Hochdruckgebiet über Südwesteuropa aufbaut. Um diesen Druckgradienten abzubauen, strömt die Luft vom Hoch zum Tief – und dies geschieht umso kräftiger, je größer der Unterschied ausfällt. Der niedrige Kerndruck des windigen "Niklas" saugt die Luft aus dem Hoch regelrecht an, weshalb auf seiner Südseite – an der wir liegen – orkanartige Böen auftreten.

Stürme dieser Art sind allerdings für das zeitige Frühjahr ebenso wie im Herbst nicht ungewöhnlich: Zu diesen Jahreszeiten sind die Temperaturunterschiede zwischen dem noch kühlen Norden, dem sich erwärmenden Süden, dem trägen Ozean und dem sich rascher aufheizenden Festland am größten. Entsprechend häufen sich dann auch Extremwetterereignisse. Dass Deutschland zentral im Starkwindfeld des Jetstreams liegt, zeigt auch die Echtzeitanalyse des Höhenwindbands auf earth.nullschool.net. Dort kann man zudem gut nachverfolgen, wie ausgedehnt die Bereiche tiefen Luftdrucks zwischen Ostkanada und Osteuropa sind.

Die Folgen: Starkwind, Schneeglätte und lokale Überflutungen

Vor allem im Norden und Osten sowie generell in den Mittelgebirgen und Alpen muss man mit orkanartigen Windstößen rechnen, deren Geschwindigkeiten 100 und mehr Kilometer pro Stunde erreichen können. Im Rest des Landes drohen zumindest starke Sturmböen. Dazu treten in den Staulagen Dauerniederschläge von bis zu 30 Millimetern innerhalb von zwölf Stunden auf, was nach dem ergiebigen Regen seit Sonntag manche Bäche und kleinere Flüsse an die Kapazitätsgrenze bringen dürfte: Lokale Überschwemmungen und vereinzelte Hangrutschungen sind also möglich.

Und um den ungemütlichen Charakter noch zu vervollständigen, zapft der Tiefdruckkomplex auch noch arktische Luftmassen an. Er führt Polarluft aus Grönland bis in die Mitte Deutschlands: In rund fünf bis sechs Kilometer Höhe hat diese Luft eine Temperatur von bis zu minus 39 Grad Celsius, während es am Boden relativ mild bleibt. Dadurch labilisiert sich die Atmosphäre und kann es zu einzelnen Gewittern kommen. Gleichzeitig sinkt die Schneefallgrenze ab: Ab 600 bis 800 Meter Höhe fallen die Niederschläge vorwiegend als Schnee, wegen des erwärmten Bodens bleibt er allerdings erst in noch größeren Höhen liegen.

Die Aussichten: Wie wird das Wetter an Ostern?

Die gute Nachricht zuerst: Nach "Niklas" beruhigt sich das Wetter ab Mittwoch etwas – leider gilt dies vorerst nur für den Wind. Mitteleuropa liegt vorerst komplett unter einem Trog, also einer Zone tiefen Luftdrucks, die die gesamte Atmosphäre über uns umfasst. Sie öffnet weiterhin den Weg für polare Kaltluft, so dass die Temperaturen in den nächsten Tagen weiter sinken werden. Selbst im Südwesten reicht es am Rhein nur noch zu maximal zehn Grad Celsius, ansonsten liegen die Höchstwerte bei 4 bis 9 Grad Celsius. Die Niederschläge können im Süden bis auf 400 Meter hinab als Schnee fallen: Hier können sogar bis zu 15 Zentimeter Neuschnee fallen, prognostiziert der Deutsche Wetterdienst. Ansonsten liegt die Schneefallgrenze bei etwa 600 bis 800 Metern. Der Karfreitag wird landesweit entsprechend ungemütlich.

Spannend wird es ab Ostersamstag: Mitteleuropa befindet sich dann im Grenzbereich zwischen hohem Luftdruck über Westeuropa und "unserem" ehemaligen Trog, der sich weiter ostwärts verlagert hat und von Skandinavien bis zum Balkan reicht. Prinzipiell verbleiben wir deshalb in einer nördlichen Zirkulationsrichtung, so dass die Temperaturen nicht aus dem Keller kommen: Zweistellige Werte dürfen wir nicht erwarten. Geht es nach dem amerikanischen Global Forecast System (GFS) könnte sich immerhin ein kleines Zwischenhoch pünktlich zu Ostern über Deutschland legen, so dass die Niederschläge nachlassen und die Sonne zumindest vereinzelt etwas herauskommt – warm wird es aber dennoch nicht. Diese Prognose ist zudem noch sehr unsicher: Die deutschen und europäischen Modelle berechnen hingegen ein Tief, das bis nach Süddeutschland zieht. Die Ostereiersuche im Freiland wird so oder so also wenig vergnüglich.

Wann wird es denn wieder besser? Hoffnung müssen wir wiederum auf die Amerikaner mit ihrem GFS setzen: Sie prognostizieren nach den Osterfeiertagen rasch ansteigende Temperaturen und mehr Sonnenschein – ein Hoch soll sich bei uns breitmachen.