Ob hier ahnungslose Käufer hinters Licht geführt werden sollten oder alle Beteiligten wussten, auf was sie sich einließen, ist nicht sicher. Klar ist nur: Altägyptische Tiermumien, die einst in millionenfacher Anzahl fast schon industriell produziert wurden, enthielten keineswegs immer den Inhalt, der außen angegeben war.

Stattdessen wickelten die Präparatoren Stöckchen, Gräser oder Erdbrocken ein – Dinge, "die in den Einbalsamierungswerkstätten herumlagen", erklärt die Ägyptologin Lidija McKnight von der University of Manchester.

In welchem Ausmaß derartige Mogelpackungen offenbar produziert wurden, habe sie überrascht, erklärt McKnight: Rund ein Drittel aller Mumien erwies sich als leer, also frei von jeglichen Überresten des jeweiligen Tiers. In einem weiteren Drittel der Fälle fanden sich immerhin einzelne Körperteile oder tierische Produkte wie zum Beispiel Eierschalen. Lediglich jede dritte Mumie enthielt damit tatsächlich ein komplettes Opfertier.

Nachfrage war kaum zu decken

McKnight ist Teil eines Teams, das die bislang größte Durchleuchtungsaktion von Tiermumien durchgeführt hat. Rund 800 Fundstücke aus dem achten vorchristlichen Jahrhundert bis in die römische Zeit wurden dazu mit Röntgengeräten und Computertomografen gescannt. Von den Ergebnissen des Projekts berichtet die BBC auf ihrer Website. Dort finden sich auch Videos der Scans.

Vermutlich wäre es angesichts des enormen Bedarfs unmöglich gewesen, jede einzelne Mumie mit einem geopferten Tier zu befüllen – und das, obschon die Ägypter ein System der Massentierhaltung etablierten, um der Nachfrage gerecht zu werden, sagt Campbell Price vom Manchester Museum, der ebenfalls an der Studie mitwirkte.

Die Pilger, die eine solche Mumie als Votivgabe erwarben, wussten womöglich, dass der Schein trog. Gerade die besonders aufwändig gestalteten Mumien hätten sich oft als komplett leer erwiesen, sagt Price. Bei den ägyptischen Tiermumien wurde das Paket häufig in die Körperform des jeweiligen Tiers gebracht oder zumindest dessen Kopf plastisch nachgebildet.

Zu den beliebtesten Mumientieren zählt die von den Ägyptern hochverehrte Katze – ein 1888 entdecktes Grab enthielt etwa 80 000 mumifizierte Tiere. Aber auch zahlreiche andere Tierarten wurden als Opfergabe verwendet, darunter Ibisse, Paviane und sogar ganze Stiere.