Seit Jahrzehnten beunruhigt ein rätselhaftes Amphibiensterben weltweit die Biologen. Inzwischen hat sich der Pilz Batrachochytrium dendrobatidis als mutmaßlicher Hauptverursacher herausgeschält. Die Folgen seines Wütens in Mittelamerika, wo er sich seit den 1980er Jahren wellenartig ausbreitet, ließen sich nun in einer Fallstudie erstmals quantitativ dokumentieren. Dabei gelang zugleich der bemerkenswerte Nachweis, dass auch fünf von elf zuvor unbekannten Froscharten ausgestorben sind.

Amphibienuntersuchung
© Andrew J. Crawford/ Universidad de los Andes, Bogotá
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Nach dem Verschwinden der Goldkröte aus Costa Rica rief Karen Lips, damals an der University of Maryland in Baltimore, ein Überwachungsprogramm für Amphibien im noch intakten Nationalpark Omar Torrijos in der Nähe von El Copé im benachbarten Panama ins Leben. Dort konnte sie zwischen 2000 und 2003 zusammen mit Kollegen 63 Arten identifizieren. Außerdem ermittelten die Forscher DNA-Profile aller gefundenen Tiere: kurze Sequenzen, die für die jeweilige Spezies kennzeichnend sind. Anhand genetischer Vergleiche ließen sich so Verwandtschaftsverhältnisse ermitteln und genaue Stammbäume aufstellen. Daraus konnten die Forscher schließlich auf die Existenz elf weiterer, zuvor nicht beschriebener Amphibienarten schließen.

Mit dem Vordringen des Pilzes starben 25 von den 63 identifizierten Spezies bis 2008 aus – und mit ihnen elf Gattungen und fünf Familien. 40 Prozent der ehemaligen Biodiversität sind heute also verschwunden – erstmals eine genau belegte Zahl über die Verluste bei Amphibien durch die Pilzinfektion. Bei den elf unbekannten Spezies zeigte sich, dass fünf von ihnen ebenfalls nicht überlebt haben. Andrew Crawford von der Universidad de los Andes in Bogotá (Kolumbien), Mitglied im Forscherteam von Lips, bezeichnet es als "traurige Ironie", dass Arten ausgelöscht wurden, bevor sie genauer untersucht und beschrieben werden konnten. (nw)