Auf Mallorca ausgewilderte Nachzuchten der bedrohten Balearenkröte (Alytes muletensis) wurden bereits im Labor mit dem Pilz Batrachochytrium dendrobatidis infiziert. Er gilt als ein Hauptverursacher der weltweiten Amphibiensterbens.

Wie Susan Walker vom Imperial College in London und ihre Kollegen feststellten, steckten sich die Tiere 1991 bei aus Südafrika importierten, ebenfalls bedrohten Kap-Krallenfröschen (Xenopus gilli) an, die im selben Labor gehalten worden waren. Zu dieser Zeit waren B. dendrobatidis und seine tödlichen Auswirkungen auf Frösche und Kröten noch unbekannt. Die Wissenschaftler entdeckten den Pilz in vier von 21 im Freiland überprüften Krötenpopulationen, wobei in zwei dieser Lebensgemeinschaften nahezu alle Tiere den Krankheitserreger trugen. Sie gehören zu jenen Populationen, die Nachzuchtindividuen aus dem fraglichen Labor erhalten hatten.

Die World Organisation for Animal Health hat Erkrankungsfälle B. dendrobatidis inzwischen zu den meldepflichtigen Krankheiten erklärt, und internationale Nachzuchtprogramme achten seit den ersten Beschreibungen des gefährlichen Pilzbefalls Ende der 1990er Jahre verstärkt auf Quarantänemaßnahmen. Da zwei Populationen der Balearenkröte trotz Infektion überlebt haben, hoffen die Forscher, dass die Balearenkröte dem Pilz widerstehen kann. Denn bisher verläuft die Wiederansiedlung der Rote-Liste-Art auf Mallorca erfolgreich, und inzwischen stammen mehr als die Hälfte der derzeitigen Bestände aus Nachzuchten. (af)