Das Nürnberger Stadion bebte, als Hans Meyer – Trainer des 1. FC Nürnberg – kurz vor Ende der Verlängerung des Viertelfinales im DFB-Pokal gegen Hannover 96 den Torwart austauschte: Statt Raphael Schäfer, dem Stammspieler, kam nun Daniel Klewer, der Ersatzmann, für das Elfmeterschießen zum Zug. Und wie schon im Achtelfinale gegen die Spvgg Unterhaching avancierte die Nummer Zwei zum Helden des Abends, denn Klewer hielt zwei Strafstöße und bescherte seiner Mannschaft damit das Halbfinale – gegen den Münchner Vorortverein wehrte er sogar vier von vier gegnerischen Versuchen ab.

Warum manche Torhüter besser im Duell Eins gegen Eins abschneiden als andere – bei Kollegen Schäfer lautet die Bilanz 2:29 –, könnten nun Psychologen um Rich Masters von der Universität Hongkong vielleicht im Ansatz geklärt haben. Sie werteten 190 Strafstöße der letzten Welt-, Europa- und Afrikameisterschaft sowie der europäischen Championsleague aus und maßen die Position des Torwarts im Tor. Anschließend verglichen sie, in welche Ecke der Schütze bevorzugt schoss und wie viele Bälle der Torhüter abwehren konnte.

In insgesamt 96 Prozent aller Fälle platzierten sich die Männer zwischen den Pfosten nicht exakt in der Mitte des Tors, sondern leicht daneben – die durchschnittliche Abweichung betrug gerade einmal knapp zehn Zentimeter. Dahinter verbarg sich jedoch keine offenkundige Strategie, denn beim Schuss entschieden sie sich praktisch je zur Hälfte für eine der beiden Seiten, auch wenn der Weg in die relativ "entblößte" Ecke weiter war als in das so genannte kurze Eck.

Und auch wenn die eingenommene Position nur geringfügig neben der Tormitte lag, so entschieden sich doch deutlich mehr Schützen für die Seite, die vermeintlich – oder offensichtlich – mehr Platz bot: Sie wurde allein aus diesem Grund um mindestens zehn Prozent häufiger anvisiert als die andere Torhälfte. Torhüter könnten dies nun nach Meinung von Masters und seinen Kollegen nutzen, um zukünftig eine höhere Zahl an Elfern abzuwehren, indem sie gezielt die weitere Flugbahn wählen. In den beobachteten Spielen lag ihre Erfolgsquote insgesamt bei nur 18 Prozent – weit weg von den 75 Prozent des Daniel Klewer in der Pokalrunde 2006/07. (dl)