Der scheinbar unaufhaltsame Anstieg des weltweiten Kohlendioxidausstoßes ist wohl unterbrochen. Das geht aus der globalen Kohlendioxidbilanz hervor, die ein Team um Corinne Le Quéré von der University of East Anglia anhand von Daten des Global Carbon Projects erstellt hat. Demnach werden die Emissionen 2016 nur um 0,2 Prozent steigen, es ist das dritte Jahr in Folge, dass der Ausstoß der Menschheit um deutlich weniger als ein Prozent zunimmt. Fachleute sehen deswegen eine Trendwende gegenüber den zehn Jahren bis 2013, in denen die Emissionen um durchschnittlich 2,3 Prozent pro Jahr stiegen. Die Forscherin betont jedoch, dass das nicht ausreiche: Der Kohlendioxidausstoß müsse vielmehr deutlich sinken, um den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen.

Das globale Kohlenstoffbudget erfasst alle künstlichen und natürlichen Einflüsse, die der Atmosphäre Kohlendioxid hinzufügen oder entziehen. Dazu gehören auch die Emissionen von Staaten, die durch Klimaverhandlungen wie derzeit in Marrakesch gesenkt werden sollen. Deutlich weniger Kohlendioxid ausgestoßen hat vor allem China; das Land ist hauptsächlich für die niedrigen Emissionen der letzten drei Jahre verantwortlich. Bereits 2014 nahmen die globalen von Menschen verursachten Ausstöße nur noch um 0,7 Prozent zu, 2015 sogar überhaupt nicht mehr.

Es handelt sich nach Angaben der Forscherin nicht um einen Effekt gesunkener wirtschaftlicher Aktivität, wie in der Vergangenheit beobachtet: Das globale Bruttoinlandsprodukt wuchs zuletzt um etwa drei Prozent. Die Trendwende wird sich jedoch nicht in geringeren Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre niederschlagen. Die Weltbevölkerung stößt weiterhin mehr Treibhausgase aus als das Erdsystem der Atmosphäre entzieht. Wegen des Klimaphänomens El Niño im Pazifik werde wohl sogar überdurchschnittlich große Mengen an Treibhausgas in der Atmosphäre bleiben.