Auf den ersten Blick kaum merklich, doch konstant bewegen sich die Erdplatten auf unserem Planeten: Während beispielsweise Indien weiter hinein nach Asien drängt, entfernen sich Nordamerika und Europa jährlich um zwei Zentimeter voneinander. So unumstritten die Theorie der Plattentektonik heute ist, so viel wird weiterhin um ihre Antriebskräfte diskutiert: Treiben Konvektionsströmungen aus dem Erdmantel den Prozess an und verhalten sich die Kontinente passiv, oder spielen die Platten eine aktive Rolle und lösen den Drift sogar selbst aus? Ein wichtiges Detail liefert daher die Studie von David Rowley, University of Chicago, und seinem Team in "Science Advances". Wärmeflüsse aus dem Erdkern spielen dabei eine bedeutende Rolle für den Plattenantrieb, so ihre Kalkulationen: Ungefähr die Hälfte der für die Bewegung benötigten Energie stammt demnach aus dieser Quelle. Der Wärmetransfer zwischen Kern und Mantel entspricht ungefähr 20 Terawatt – das sind rund 25 Prozent mehr als der Leistungsbedarf der gesamten Menschheit.

Die Geowissenschaftler hatten den Ostpazifischen Rücken beobachtet, an dem die Pazifische Platte auf der einen und ein Teil der Nordamerikanischen Platte, die Cocos-, Nazca- sowie ein Teil der Antarktischen Platte auf der anderen Seite auseinanderdriften. Er hat sich während der letzten 50 bis 80 Millionen Jahre nicht in Ost-West-Richtung verlagert, obwohl sich manche Abschnitte asymmetrisch geweitet haben. Ein Verhalten, dass die Forscher bislang rätseln ließ. Aus ihren Daten erstellten Rowley und Co daher ein Modell der Konvektionsströme im Mantel darunter. Die Bewegungen ließen sich dabei nicht allein durch die Subduktion an den Rändern der jeweiligen Platten erklären, welche die Platten auseinanderzerren soll. Erst als Rowleys Team die Energiezufuhr aus dem Erdkern in die Rechnung mit einbezogen, ging die Gleichung auf – die stabile Position des Rückens ist nur durch die Hitze tief aus dem Erdinnern möglich. "Der Hitzefluss tief aus der Erde hat ihn quasi eingefangen und hält ihn an Ort und Stelle", sagt Rowley: "Die Energie von der Basis des Mantels trägt signifikant zur Stärke der Wärmeströme im Mantel bei und ermöglicht so die Plattentektonik."

Aufheizung an der Grenze vom Kern zum Mantel verringert die Dichte des darüber befindlichen Materials, wodurch sich dessen Dichte reduziert und es aufsteigt. Umgekehrt kühlen sich die Platten auf ihrer Oberseite ab, je weiter sie sich vom Mittelozeanischen Rücken entfernen. Ihre Dichte erhöht sich folglich wieder, was sie absinken lässt. Beide Kräfte zusammen treiben die Plattentektonik an – ein Zusammenspiel, das am Mittelatlantischen Rücken wohl ebenfalls eine Rolle spielt. "Ich denke, unsere Ergebnisse sorgen dafür, dass die Lehrbücher umgeschrieben werden müssen", gibt sich Rowley optimistisch. Erst vor Kurzem hatten Geowissenschaftler gezeigt, dass es im Erdkern eine Art Jetstream aus flüssigem Eisen gibt, der von Kanada über Sibirien fast bis nach Europa reicht. Das Innerste der Erde ist also noch dynamischer, als lange angenommen wurde.