Seit einiger Zeit beobachten Forscher, wie die Klimaerwärmung die empfindliche Vegetation des Alpenraums zu verändern beginnt. Deutlich wird das besonders an der Baumgrenze: Sie verschiebt sich allmählich mit steigender Temperatur nach oben. Merkwürdigerweise scheint im Himalaja aber das Gegenteil zu geschehen, wie Ökologen gerade auf dem fünften Third Pole Environment Workshop in Berlin zusammengefasst haben. Nach den Daten eines Teams um Liang Eryuan von der chinesischen Akademie der Wissenschaften hat sich die Baumgrenzen an mehreren Untersuchungsgebieten in Nepal und Südwesttibet offenbar seit zwei Jahrhunderten nicht verschoben, obwohl die Temperaturen in den letzten 50 Jahren um 0,4 Grad Celsius pro Jahrzehnt angestiegen waren.

Damit war die Temperaturerhöhung zwar doppelt so stark wie im weltweiten Durchschnitt und sorgte für die wärmste Phase in den letzten 50 Jahren. Darauf reagierte der Wald im Himalaja aber ganz anders als die Vegetation in den Alpen: Tatsächlich profitieren dominante Arten wie die Qinghai-Kiefer (Picea crassifolia) nicht etwa, sondern gingen vermehrt ein und wuchsen in zunehmend tieferen Lagen. Auch an Baumringen ist abzulesen, dass gerade ein außergewöhnlich warmer und trockener Frühling für Kümmerwuchs sorgt.

Die Ursache für die unterschiedliche Entwicklung in den Alpen und im Himalaja sehen die Forscher im Niederschlag: Im Hochgebirge in Asien sei weniger die Temperatur als die Trockenheit ein wesentlicher begrenzender Faktor. Dabei wirke sie allerdings vor allem lokal und saisonal: Insgesamt sorgt der Klimawandel zwar sogar für ein mehr von rund zwölf Prozent an Niederschlägen im Himalaja, sie fallen allerdings ungleichmäßiger. Zudem zögen sich Gletscher zurück und die geringere Schneeschmelze vergrößert die Trockenheit – und damit das Wachstum der besonders beanspruchten Gewächse an der Baumgrenze. Gegenmaßnahmen sollten unbedingt an die unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten angepasst werden, mahnen Experten. Ein modernes Forstmanagement könnte zumindest helfen, die Dichte der Wälder angemessen zu regulieren, wodurch die Stressresistenz gegenüber Trockenheit zunimmt.


Eine ausführlichere Version dieses Textes finden sie bei bei Scientific American.