Noch einmal eine Nacht darüber schlafen, lautet ein häufiger Ratschlag vor schweren Entscheidungen. Rebecca Spencer und ihre Kollegen von der University of Massachusetts in Amherst haben nun herausgefunden, dass man aber nicht alles am besten im Schlaf verarbeitet: Gerade nach traumatischen Erlebnissen ist es oft vorteilhafter, wach zu bleiben.

Die Forscher zeigten 106 Probanden Bilder, die entweder als glücklich oder traurig bewerten werden sollten. Zusätzlich schätzten die Versuchsteilnehmer auch ihre eigenen Empfindungen als ruhig oder aufgeregt ein. Im Anschluss daran legte sich ein Teil der Versuchspersonen schlafen, während die anderen wach blieben. Nach zwölf Stunden bewerteten die Probanden erneut einige Bilder; manche davon waren neu, andere hatten sie bereits vorher gesehen.

Erwartungsgemäß konnten sich die Teilnehmer besser nach einer ausgeruhten Nacht an die Bilder erinnern als ohne Schlaf. Doch die Ruhepause dämpfte die negativen Gefühle nicht – sie trug eher dazu bei, die unschönen Emotionen zu verfestigen.

Was auf den ersten Blick unangenehm wirkt, kann sich einst als evolutionärer Vorteil erwiesen haben, erklären die Forscher. Die Verknüpfung von traumatischen oder gar lebensbedrohlichen Ereignissen mit negativen Emotionen schärfte dem Menschen ein, solche Situationen in Zukunft besser zu meiden und erhöhte so seine Überlebenschancen.