Vielleicht hatte der Patient einfach Pech, dass er in Arizona lebt und nicht im Ohio- oder Mississippi-Tal der USA. Denn als er mit seinen Beschwerden in ein Krankenhaus kommt, ahnen die Mediziner nicht, woran er tatsächlich leidet – weil diese Erkrankung im trockenen Wüstenklima seiner Heimat eigentlich nicht vorkommt. Der 70-jährige Mann wurde vorstellig, weil er vier Tage lang Bewusstseinsprobleme hatte, und außer einem etwas verwirrten Eindruck schien der Patient äußerlich gesund, wie Aneela Majeed von der University of Arizona in Tucson und ihr Team in "BMJ Case Reports" berichten. Dennoch unterzogen die Mediziner ihm einer Computer- und anschließend noch einer Magnetresonanztomografie – deren Ergebnis einen schlimmen Verdacht aufbrachte: Auf den Aufnahmen war eine Läsion im Gehirn zu erkennen, die auf bösartige Metastasen im Schädel hindeutete. Weitere Analysen erbrachten dunkle Flecken in den Nebennieren, die die erste Diagnose zu erhärten schienen.

Die anschließende Biopsie wies dann jedoch in eine ganz andere Richtung. Tatsächlich litt der Mann an einer ausgeuferten Histoplasmose, einer systemische Infektionskrankheit, die vom Pilz Histoplasma capsulatum ausgelöst wird. Der Pilz lebt eigentlich im Boden; Menschen können sich aber über die Sporen anstecken, wenn diese eingeatmet werden. Fresszellen attackieren diese im Lungenwebe zwar, doch entwickeln sich die Sporen in den Makrophagen zu einer Hefeform weiter, die sich vermehren kann. Es entstehen Granulome, die sich bis zu einer Nekrose verschlimmern können. Wenn das Gewebe heilt, entstehen verkalkte Flächen. Bisweilen dringen die Histoplasmen aber auch in die Blutbahn ein und werden darüber im Körper verteilt, so dass unter anderem Lymphknoten, Leber oder Milz infiziert werden können.

Am besten gedeiht Histoplasma capsulatum bei feuchtem Klima in eher sauren Böden, auf die häufig Vogel- oder Fledermauskot fällt – nicht unbedingt die Bedingungen einer wüstenhaften Region in Arizona. In der Regel tritt Histoplasmose bei über 65-Jährigen durchschnittlich nur bei 3,4 pro 100 000 Personen auf. Die höchsten Raten in den USA weisen aidskranke Menschen im Umfeld der großen Flüsse Mississippi und Ohio auf, wo die natürlichen Verhältnisse das Pilzwachstum begünstigen und die Immunschwäche eine Infektion erleichtert. Fünf Prozent aller Aidskranken in dieser Region sind demnach betroffen.

Auf den Patienten aus Arizona traf dies jedoch nicht zu; er war allerdings aus anderen Gründen immungeschwächt: 1986 wurde ihm ein Herz transplantiert, seit damals musste er Medikamente nehmen, die eine Abstoßungsreaktion unterdrücken sollen, jedoch auch das Infektionsrisiko erhöhen. Das erklärte jedoch nicht, wo er mit den Sporen in Kontakt geriet. Normalerweise treten die ersten Krankheitssymptome 3 bis 17 Tage nach Einatmen auf. In der jüngeren Vergangenheit war der Mann jedoch weder in einer Region, wo der Pilz verbreitet ist, noch berührte er Vogel oder Fledermauskot. Er erinnerte sich nur an einen einzigen Besuch in einem potenziellen Risikogebiet: ein Aufenthalt in North Carolina – doch lag dieser bereits 30 Jahre zurück.

Der Erreger hatte also entweder so lange im Körper des Patienten symptomfrei geschlummert. Oder aber der Pilz ist weiter verbreitet als gedacht. Ein Bericht aus dem Jahr 2016 listet immerhin elf weitere Fälle auf, bei denen keine Reise in ein Risikogebiet bekannt war. Zusätzliche Untersuchungen an dem 70-Jährigen erbrachten noch mehr Nekrosen in der Leber. Er musste anschließend für längere Zeit Antipilzmittel einnehmen, auch nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen worden war.