Twitter und andere soziale Medien verbinden nicht nur Menschen untereinander, sondern verknüpfen auch zunehmend die soziale Sphäre direkt mit automatisierten Algorithmen, die technische Systeme kontrollieren. Zu diesem Schluss kommt Tero Karppi von der University at Buffalo bei der Untersuchung des so genannten Hack Crash am 23. April 2013. Eine einzige Twitternachricht vernichtete an diesem Tag vorübergehend Werte in Höhe von 136 Milliarden Dollar, weil sie automatische Handelsprogramme zum Verkaufen von Aktien animierte. Unbekannte hatten das Twitterkonto der Nachrichtenagentur Associated Press gekapert und die falsche Nachricht verbreitet, US-Präsident Obama sei bei einer Explosion verletzt worden. Algorithmen analysierten in Echtzeit die Nachrichtenlage und gaben die Ente an Finanzalgorithmen weiter, die umgehend begannen, Aktien zu verkaufen.

Nachdem die betroffene Agentur vermeldete, dass es sich um eine Falschmeldung handelte, beruhigten sich die Programme zwar wieder und die Kurse stiegen auf ihr normales Niveau. Der Vorfall zeige jedoch, welche ungeahnten Folgen die zunehmende Vernetzung über öffentlich durchsuchbare soziale Medien hat. Was genau den Hack Crash verursachte, ist bis heute nicht klar, doch Karppi identifizierte zwei Ebenen von Algorithmen, die wahrscheinlich beteiligt waren: zum einen solche Programme, die Neuigkeiten und Trends in den sozialen Medien in Echtzeit analysieren, und zum anderen Algorithmen, die nach bestimmten Kriterien Finanzprodukte verkaufen oder kaufen. Investmentbanker führten nach Karppis Ansicht diese Ebenen zusammen, um schneller auf aktuelle Ereignisse reagieren zu können. Auf diese Weise konnte eine Falschinformation direkt die Kurse an den Aktienmärkten beeinflussen, und möglicherweise in Zukunft auch andere Steuersysteme, die in Echtzeit auf die Weltlage reagieren sollen.