Astrophysiker haben einen ausgebrannten Stern aufgespürt, der sich unvorstellbare 707-mal pro Sekunde um seine eigene Achse dreht. Bei dem mit dem Radioteleskop-Netzwerk LOFAR entdeckten Objekt handelt es sich um einen so genannten Neutronenstern: eine nur wenige Dutzend Kilometer große, stark magnetisierte Kugel, die etwas schwerer als unsere Sonne ist. Die extrem kompakten Gebilde können entstehen, wenn irgendwo im All ein schwerer Stern explodiert. Mitunter geht dabei ein Teil der freigesetzten Energie auf den Kern der auseinanderfliegenden Gaskugel über, der dadurch einen extremen Drall erhält.

Ein Neutronenstern sendet praktisch kein gewöhnliches Licht mehr aus. Die rotierenden Magnetfelder an seiner Oberfläche können jedoch einen engen Strahl aus Radiowellen ins All feuern, dessen Richtung wie die Spitze eines strauchelnden Kreisels hin und her wandert. Streift der Strahl dabei über die Erde, nehmen dort aufgestellte Radioteleskope den Neutronenstern als pulsierende Lichtquelle wahr – Astrophysiker sprechen von einem "Pulsar".

In den vergangenen Jahrzehnten haben Wissenschaftler etliche der bizarren Objekte aufgespürt. Der nun von einem Team um Cees Bassa vom niederländischen Institut für Radioastronomie (ASTRON) entdeckte Pulsar namens "PSR J0952-0607", der zwischen 3200 und 5700 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, sticht allerdings deutlich hervor: Er saugt seit Längerem das Gas eines leichten Nachbarsterns auf, was ihm zusätzlich Drall verleiht, berichten die Forscher im Fachmagazin "The Astrophysical Journal Letters". Experten bezeichnen solche Millisekunden-Pulsare auch als "Schwarze Witwe".

Letztlich handelt es sich bei PSR J0952-0607 um den zweitschnellsten bisher entdeckten Pulsar in unserer Galaxie und den schnellsten außerhalb der besonders dichten Kugelsternhaufen. Noch rasanter dreht sich nur ein Neutronenstern namens PSR J1748-2446ad – er kommt auf 716 Umdrehungen pro Sekunde. Die Formeln, mit denen Physiker Neutronensterne beschreiben, lassen sogar noch schnellere Rotationen zu. Demnach könnten Neutronensterne bis zu 1200 Umdrehungen pro Sekunde erreichen. Bisher ist rätselhaft, wieso Astronomen derart eifrige Drehkünstler noch nicht aufspüren konnten.