Mit dem Weltraumobservatorium XMM-Newton der ESA haben Forscher zum ersten Mal einen Strom aus Gas im Zentrum einer so genannten Seyfert-Galaxie beobachtet. Er fegt in einem wahnsinnigen Tempo um das Schwarze Loch und emittiert dabei Röntgenstrahlung. Bislang war angenommen worden, dass solche gewaltigen Gasströme nur in den größten kosmischen Objekten vorkommen – etwa in massereichen elliptischen Galaxien, die durch Kollision und anschließende Vereinigung von zwei oder mehr Galaxien entstanden sind. Dort sind solche Winde nichts Ungewöhnliches. Inmitten einer solchen enormen Ansammlung von Sternen entstehen sie durch Materie, die um das zentrale und sehr massereiche Schwarze Loch wirbelt. Sind die Ströme stark genug, fegen sie etwa große Mengen von Gas hinweg, und verhindern so, dass daraus neue Sterne entstehen. Oder, im Gegensatz dazu, können sie auch Gaswolken kollabieren lassen und unterstützen dadurch die Formierung von neuen Sternen. In der Entwicklung des Universums sind sie also bereits seit Anbeginn von fundamentaler Bedeutung.

Die neuen Erkenntnisse der Astronomen zeigen nun, dass solche Gasströme auch in "normaleren" Milchstraße-ähnlichen Galaxien eine wichtige Rolle spielen. Die beobachteten Winde um das Schwarze Loch der Seyfert-Galaxie haben Geschwindigkeiten von bis zu 33 000 Kilometer pro Sekunde, etwa zehn Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Damit sind sie stark genug, um das Gas in der Galaxie so zu erhitzen, dass die Bildung von Sternen unterdrückt wird. Aufgrund der Ähnlichkeit mit unserer Galaxie, stellt sich die Frage, ob derartige Winde auch hier einstmals um das Schwarze Loch im Zentrum tobten.