Es kommt selten vor, dass Biologen in Indien noch neue Vogelarten vorstellen können. Der Subkontinent gilt durch Generationen an britischen und indischen Ornithologen als gut untersucht. Einem Schweden gelang jedoch eine Neuentdeckung: Per Alström von der Universität Uppsala und sein Team stellten in "Avian Research" die Himalajawalddrossel (Zoothera salimalii) vor – es ist erst die vierte neu beschriebene Vogelart in Indien seit 1947. Sie wurde bislang schlicht übersehen, weil sie der weit verbreiteten und bekannten Felserddrossel (Z. mollissima) zum Verwechseln ähnlich sieht. Während einer Feldstudie im westlichen Teil des indischen Bundesstaats Arunachal Pradesh fiel Alström und Co im Jahr 2009 jedoch auf, dass sich der Gesang von Drosseln in den alpinen Hochlagen deutlich von dem ihrer vermeintlichen Artgenossen in den darunterliegenden Bergwäldern unterschied. Während die Waldvertreter relativ abwechslungsreich und musikalisch zwitscherten, hörte sich das Lied der Offenlandbewohner rauer und krächzender an.

Anschließend untersuchten die Wissenschaftler verschiedene Museumsexemplare und stellten dabei fest, dass beide Gruppen auch in ihrer Gestalt und Gefiederfärbung durchgehend deutlich voneinander abwichen, weshalb die ursprüngliche Felserddrossel in zwei Arten aufgespaltet wurde. Eine abschließende Genanalyse erbrachte schließlich noch eine weitere Überraschung: Sie offenbarte eine dritte Spezies, die Sichuanwalddrossel (Z. griseiceps), die in Zentralsichuan ebenfalls in Bergwäldern vorkommt und einen noch melodischeren Gesang besitzt als ihre nahen Verwandten. Zuvor hatte diese Population nur als Unterart gegolten. Alle drei Arten haben sich wohl schon seit mehreren Millionen Jahren getrennt voneinander entwickelt, wegen ihrer starken Ähnlichkeit wurden sie jedoch zu einer einzigen Spezies zusammengefasst.