Dass Babys unmittelbar nach der Geburt mit ihren Mitmenschen Kontakt aufnehmen und beispielsweise deren Mimik kopieren, ist bekannt. Wie aber sieht es mit der Zeit davor aus? Eine Antwort liefert nun die Studie einer Forschergruppe um Umberto Castiello von der Università degli Studi in Padua. Die Wissenschaftler filmten dazu mit Ultraschall die Bewegungen von Zwillingen im Mutterleib und stellten fest: Die Zwillinge beginnen schon nach der Hälfte der Schwangerschaft damit, sich gezielt gegenseitig zu betasten.

"Bereits ab der 14. Schwangerschaftswoche planen die Föten Bewegungen, die speziell auf ihren Mit-Zwilling ausgerichtet sind, und führen sie auch aus", fassen Castiello und Kollegen zusammen. Dazu hatten sie mitgezählt, wie oft die Zwillinge sich selbst, die Wand der Gebärmutter und den anderen anrührten. Ergebnis: Im Zeitraum bis zur 18. Woche fassten die Kinder immer seltener sich selbst an, dafür aber häufiger den Uterusnachbarn.

Zwillinge im Mutterleib
© Castiello, U. et al.: Wired to Be Social. In: PLoS ONE 5, e13199, 2010, fig. 1 c+d
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Die Aufnahmen für ihre Untersuchung fertigten die Wissenschaftler mit Hilfe des so genannten 4-D-Ultraschalls an. Dabei wird ein dreidimensionales Bild aus dem Mutterleib in rascher Folge aktualisiert. Die Bewegungen der Zwillinge ließen die Forscher anschließend durch neutrale ("blinde") Ultraschallexperten auswerten.
Bei den fünf untersuchten Zwillingspärchen habe sich außerdem gezeigt, dass die Babys die Geschwindigkeit der Bewegung an das jeweilige Ziel anpassten, berichten die Forscher: Ihren Bruder oder ihre Schwester hätten die Föten vorsichtiger angefasst als ihren eigenen Mund oder ihre empfindlichen Augen und tendenziell rechtzeitig abgebremst. Für die Wissenschaftler ist damit klar, dass es sich um zielgerichtete Bewegungen handelte und nicht um unkoordinierte Reflexe.

Was die Föten dabei empfanden – ob für sie die Berührung angenehm war oder ob sie den Zwilling wegschieben wollten –, darüber spekulieren die Forscher nicht. Aus den Ergebnissen gehe dennoch klar hervor, dass das enge Miteinander mit Artgenossen im Menschen instinktiv angelegt sei. Die nötigen Verschaltungen im Gehirn entstünden offenbar bereits während der Embryonalentwicklung. (jd)