Es scheint ganz einfach zu sein, unsere lieben Mitmenschen glücklich zu machen – wenigstens ein bisschen. Ab und zu eine kleine Überraschung und schon springt das Belohnungszentrum im Gehirn an und schüttet Glücksbotenstoffe aus. Vielleicht liegt hier das Erfolgsgeheimnis von SMS-Nachrichten per Handy oder das häufige Abrufen der emails. Es könnte ja etwas Nettes dabei sein.

Dass unser Gehirn Überraschungen liebt, haben Wissenschaftler der Emory University und des Baylor College of Medicine nun gemeinschaftlich herausgefunden. Hierzu erfreuten sie Freiwillige mit Erfrischungsgetränken, die sie ihnen direkt in den Mund spritzten. Manchmal kam das kühle Nass nach vorheriger Ansage, manchmal aber auch völlig überraschend für die Probanden. Die Reaktion ihres Gehirns auf den Gaumenschmaus konnte das Team um Gregory Berns und Read Montague mit Hilfe der Magnetresonanz sichtbar machen. Als Antwort auf die erfreulichen Stimuli, in diesen Versuchen Orangensaft und Wasser, änderte sich die Aktivität im Belohnungszentrum des Gehirns. Bis jetzt waren Forscher davon ausgegangen, dass der neuronale Belohnungsweg auf Dinge reagiert, die der Mensch mag. Doch die Ergebnisse überraschten auch die Wissenschaftler. Denn als sie ihre Idee überprüften, zeigte sich, dass die Wirkung von unerwarteten Stimuli viel größer war als die von erwarteten. "Wir fanden heraus, dass das so genannte Belohnungszentrum im Gehirn nicht ebenbürtig auf jede erfreuliche Substanz antwortet, sondern statt dessen viel stärker reagiert, wenn die Vergnügen unerwartet waren", sagte Berns. Somit findet unser Gehirn offensichtlich Überraschendes belohnenswerter als Erwartetes.

Neue Anhaltspunkte könnten diese Ergebnisse für die Drogenforschung liefern. Denn die meisten Genussmittel wie Koffein, Alkohol und Nikotin sowie die illegalen Drogen Heroin und Kokain wirken ebenfalls über das Belohnungszentrum und sorgen hier für ein Ausschütten des Neurotransmitters Dopamin, der uns Glücksgefühle beschert. Dies kann zum Missbrauch führen, da die positiven Gefühle immer wieder erlebt werden wollen. Ein besseres Verständnis der Abhängigkeit könnte zum Unterbrechen des Teufelskreises beitragen.