Ein Ausflug ins Weltall machte sie einst berühmt: Die Bärtierchen überlebten kosmische Strahlung, Vakuum, extremste Trockenheit und Kälte, als seien sie unverwundbar. Die weniger als einen Millimeter kleinen Tiere überdauern Extremstbedingungen in einem todesähnlichen Zustand, aus dem sie bei besseren Verhältnissen unversehrt wieder erwachen, wobei sie sich sogar weiter fortpflanzen können – selbst nach 30 Jahren in einer Gefriertruhe. Eine neue Studie zeigt nun, dass die Tierchen dies unter anderem einem Schutzprotein zu verdanken haben, das nur bei ihnen vorkommt. Schleust man es in menschliche Zellen ein, schützt es auch diese vor starker Röntgenbestrahlung.

Auf der Suche nach dem besonderen Unverwundbarkeitsschild der Tierchen, entwickelten Takekazu Kunieda von der Universität Tokio und sein Team die Theorie, dass es sich dabei um ein Genprodukt handeln müsste, das erstens nur Bärtierchen besitzen und das zweitens von ihnen in großen Mengen produziert wird. Tatsächlich entdeckten die Forscher einen solchen einzigartigen Schutzfaktor: ein Protein, das sie Dsup (kurz für Damage suppressor) tauften.

Dsup bindet DNA und bewahrt sie vor Schäden. Das belegten die Wissenschaftler, indem sie es in menschliche Nierenzellen einführten. Als sie die Zellen anschließend starker Röntgenbestrahlung aussetzten, sorgte Dsup dafür, dass die DNA unversehrt blieb und die Zellen überlebten. Dsup ist somit laut den Forschern das bisher erste Protein, das menschliche Zellen resistent gegen Röntgenstrahlen macht. Allerdings ist es wohl bei Weitem nicht das einzige Protein, das die Bärtierchen so resistent macht.

Vorherige Studien hatten nahegelegt, dass die Tierchen ihre Widerstandsfähigkeit Genen zu verdanken haben, die sie einst von Einzellern durch horizontalen Gentransfer übernahmen. Dabei wird DNA nicht, wie üblich, von einem Organismus an die nächste Generation vererbt, sondern ohne Fortpflanzung in einen fremden Organismus aufgenommen. Die Ergebnisse von damals werden allerdings inzwischen kontrovers diskutiert. Es könnte sein, dass die Forscher Bakterien, die auf den Tierchen klebten, versehentlich mit untersucht hatten und so auf die fremden Gene stießen.

Genau das wollte das Team um Kunieda in seiner eigenen Studie vermeiden. Die Wissenschaftler reinigten darum die Eier der Bärtierchen mit Desinfektionsmittel und behandelten die geschlüpften Jungtiere anschließend tagelang mit Antibiotika. Erst danach entzifferten sie deren Erbgut. Dafür wählten sie eine der widerstandsfähigsten Bärtierchenarten: Ramazzottius varieornatus. Denn bei ihr, so die Forscher, müssten die vermuteten Schutzgene am ausgeprägtesten sein.

Sie fanden heraus, dass nur 1,2 Prozent der R.-varieornatus-Gene von horizontalem Gentransfer stammen können – zehnmal weniger, als die vorherige Studie mit einer weniger resistenten Art gezeigt hatte. Die neuen Ergebnisse sprechen somit dagegen, dass solche Gene für die Widerstandsfähigkeit verantwortlich sein können. Für wahrscheinlicher halten es die Forscher, dass sich bereits vorhandene Schutzgene mit der Zeit immer wieder verdoppelt haben. So könnten Bärtierchen von Generation zu Generation resistenter geworden sein.