Mindestens 165 Menschen starben am 12. August 2015, als in der chinesischen Stadt Tianjin ein Lagerhaus für Gefahrengüter explodierte. Nun identifizierten Fachleute im offiziellen Unfallbericht die genaue Ursache. Demnach entzündete sich Nitrozellulose selbst, nachdem ein Stabilisatorgemisch verdampft war, das genau das verhindern sollte. Der resultierende Brand griff dann auf eine Ladung des Düngemittels Ammoniumnitrat über und brachte es zur Explosion. Dabei starben mehr als 100 Feuerwehrleute, die den Brand bekämpften.

Nitrozellulose, auch Schießbaumwolle genannt, ist ein wichtiger Bestandteil industrieller Sprengstoffe und Treibmittel. Allerdings ist der Stoff so reaktiv, dass er zur Selbstentzündung neigt – frühe Filme, die aus einem als Zelluloid bezeichneten Kunststoff auf Nitrozellulosebasis bestanden, waren berüchtigt dafür. Wie diese Reaktion abläuft, ist bis heute noch nicht ganz geklärt – wohl aber, wie man sie zuverlässig unterbindet: Heutzutage wird Nitrozellulose für Transport und Lagerung mit Gemischen aus Wasser und Alkoholen wie Ethanol oder Butanol stabilisiert.

In Tianjin allerdings führte unsachgemäße Lagerung der Behälter dazu, dass die Gebinde sich in der Sonne erwärmten und die Befeuchtungsmittel verdampften, so die chinesischen Behörden. Das Unternehmen hätte die Gefahrenstoffe von Rechts wegen gar nicht lagern dürfen und sei auch nicht zu einem angemessenen Risikomanagement in der Lage gewesen. Zudem seien lokale Behördenmitarbeiter bestochen worden. Die Kommission empfiehlt jetzt neue Regeln bei Kontrolle und Nachverfolgung gefährlicher Güter.