Nach kurzer schwerer Krankheit verstarb am 8. Dezember 2016 der ehemalige US-Astronaut und US-Senator John Glenn im Alter von 95 Jahren. Glenn war der erste US-Amerikaner, der die Erde auf einer Umlaufbahn umrundete. Er flog an Bord der Ein-Mann-Raumkapsel Friendship-7 ins All und umrundete am 20. Februar 1962 die Erde dreimal. Sein Raumflug im Rahmen des Mercury-Programms der NASA erfolgte rund zehn Monate nach der Mission des Russen Juri Gagarin, der am 12. April 1961 die Erde einmal umkreist hatte. Zu dieser Zeit war der kalte Krieg zwischen der damaligen Sowjetunion und den USA auf einem seiner Höhepunkte, und die Ersttat der Russen hatte die US-Öffentlichkeit alarmiert. Mit dem Flug von Friendship-7 war zumindest aus öffentlicher Sicht ein Gleichstand mit der Sowjetunion erreicht worden.

John Glenn bei seinem ersten Raumflug im Februar 1962 an Bord der Raumkapsel Friendship-7
© NASA
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 Bild vergrößernJohn Glenn bei seinem ersten Raumflug im Februar 1962
Am 20. Februar 1962 hob der US-Astronaut John Glenn an Bord der Ein-Mann-Raumkapsel Friendship-7 ab und umrundete die Erde dreimal. Damit war er der erste US-Amerikaner, der die Erde auf einer Umlaufbahn umrundete.

Während des rund fünfstündigen Flugs von Friendship-7 kam es zu beträchtlicher Aufregung, als ein Sensor anzeigte, dass sich der Hitzeschild der Raumkapsel vorzeitig gelöst habe. Wäre dies der Fall gewesen, so wäre die Mercury-Raumkapsel bei ihrem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Daher war der Wiedereintritt von großer Sorge begleitet; erst nachdem wieder Funkkontakt nach dem Eintritt bestand, war klar, dass nur der Sensor fehlerhaft war. Friendship-7 ging sanft an ihrem Fallschirm im Atlantik nieder, John Glenn und seine Kapsel wurden vom Zerstörer USS Noa geborgen.

John Glenn kam am 18. Juli 1921 in Cambridge im US-Bundesstaat Ohio zur Welt und trat nach Schule und Studium im Alter von 21 Jahren als Pilot dem US Marine Corps bei. Im Zweiten Weltkrieg und im Koreakrieg flog er rund 150 Kampfeinsätze. Im Jahr 1959 wechselte er vom Militär zur gerade gegründeten US-Raumfahrtbehörde NASA, um Astronaut zu werden. Damals kamen für den Flug ins All nur militärische Testpiloten in Frage, und Glenn war einer der qualifiziertesten von ihnen. Dennoch wurde er nicht zum ersten US-Amerikaner im Weltraum, diese Ehre fiel an seinen Kollegen Alan Shepard, der am 5. Mai 1961 einen rund 15 Minuten langen Vorstoß in den Weltraum durchführte, aber keine Erdumlaufbahn erreichte.

Im Jahr 1964 verließ Glenn die NASA und strebte erfolgreich eine politische Karriere in der Demokratischen Partei an. Zehn Jahre nach dem Ausscheiden bei der NASA wurde er Senator seines Heimatstaates Ohio im US-Kongress in Washington, D. C. Diesen Sitz konnte er 24 Jahre lang bis ins Jahr 1998 halten.

John Glenn bei seinem zweiten Raumflug an Bord der Raumfähre Discovery
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 Bild vergrößernJophn Glenn im Jahr 1998 an Bord der Raumfähre Discovery
Im Alter von 77 Jahren flog John Glenn als bislang ältester Mensch noch einmal in die Erdumlaufbahn. Er war Mitglied der Mannschaft der Mission STS-95 der Raumfähre Discovery und hielt sich für rund neun Tage im Orbit auf. Hier ist er im Spacehab-Modul zu sehen, das sich im Frachtraum der Raumfähre befand.

36 Jahre nach seinem ersten Raumflug durfte John Glenn im Oktober 1998 als Nutzlastspezialist an Bord der US-Raumfähre Discovery während der Mission STS-95 im Alter von 77 Jahren für rund neun Tage ins All fliegen. Er ist bis heute der älteste Mensch, der jemals in die Erdumlaufbahn geflogen ist. John Glenn hinterlässt seine Frau Annie, seine Kinder und Enkel und soll auf dem nationalen Gedenkfriedhof Arlington bei Washington, D.C. beigesetzt werden.