Mama und Papa haben euch beide gleich lieb – das haben schon Generationen von Geschwistern gehört. Stimmt jedoch nicht ganz, wenn man einem Team von US-Forschern glauben darf. Wie sie jetzt in der Fachzeitschrift "Journal of Consumer Psychology" schildern, zeigten vier Experimente stets dasselbe: Sind die Ressourcen begrenzt, ziehen Väter mehrheitlich ihre Söhne vor und Mütter ihre Töchter.

Die Ökonomen um Vladas Griskevicius von der University of Minnesota hatten zunächst Familien im Zoo zu einer kleinen Umfrage eingeladen, die jedoch lediglich als Vorwand diente. Danach erhielten die Teilnehmer zum Dank ein Lotterielos und sollten bestimmen, welches ihrer Kinder damit an einer Verlosung teilnehmen durfte. 75 Prozent der Mütter entschieden sich für ihre Tochter, 87 Prozent der Väter für ihren Sohn. Die Eltern bevorzugten gleichgeschlechtliche Nachkommen auch dann, wenn es um Geld ging, etwa 25 Euro. In Indien ließ sich diese Tendenz ebenfalls nachweisen.

Der Effekt sei sehr robust, berichteten die Wissenschaftler – beim Erbe etwa favorisierten die Eltern ebenfalls ihr eigenes Geschlecht. Auch im Alltag ziehe demnach eines der Kinder den Kürzeren, je nachdem, wer von den Eltern über Ausgaben entscheide. "Wenn die Väter die Kontrolle über die Finanzen haben, könnten die Söhne langfristig profitieren", vermuten Griskevicius und Kollegen. Umgekehrt erhielten die Töchter mehr Ressourcen, wenn die Mutter das Sagen habe.

Das Bias rühre daher, dass Frauen sich eher mit ihren Töchtern identifizieren können, und dasselbe gelte für Männer mit ihren Söhnen, so die Ökonomen. Sie halten es für denkbar, dass sich dieses Prinzip auch in der Arbeitswelt auswirkt, zum Beispiel bei Beförderungen. "Wenn vor allem Männer mächtige Positionen besetzen, könnte das vermehrt zu Investitionen führen, von denen Männer profitieren." Solche verzerrten Chancenverhältnisse gelte es zu korrigieren.