Ein Team um den Mikrobiologen Michael Fischbach von der University of California hat ein bisher unbekanntes Antibiotikum aus Bakterien isoliert, die auf menschlichen Schleimhäuten leben. Die Verbindung namens Lactocilin stammt aus dem Bakterium Lactobacillus gasseri, das normalerweise in der menschlichen Vagina lebt, und ist das erste Biomolekül aus dem menschlichen Mikrobiom, das als Medikament Potenzial hat. Der Fund ist das erste Ergebnis einer systematischen Suche nach solchen Verbindungen, für die Fischbach und sein Team ein Computerprogramm schrieben, das anhand von bekannten Genen ähnliche Gene für potenziell interessante Wirkstoffe im menschlichen Mikrobiom aufspürt. Die Forscher vermuten, dass dort tausende interessante Stoffe auf ihre Entdeckung warten.

Der Mensch ist ein besonders reichhaltiges Ökosystem, besonders was Bakterien angeht. Die Mikroorganismen tragen erheblich zu unserem Wohlergehen bei, indem sie vielerlei chemische Verbindungen ausscheiden. Die beeinflussen nicht nur Stoffwechsel und Immunsystem des Menschen, sondern auch andere Bakterien im Ökosystem. Deswegen gehen Forscher und Pharmaunternehmen davon aus, dass die Bakterien des Menschen eine große Zahl pharmazeutisch interessanter Naturstoffe produziert. Fischbach und sein Team haben nun gezeigt, dass das wahrscheinlich stimmt. Mit Hilfe ihres Algorithmus haben sie insgesamt über 3000 Gen-Cluster identifiziert, die mutmaßlich an der Herstellung solcher Stoffe beteiligt sind. Lactocilin ist nur die erste dieser Verbindungen, die die Forscher isolierten.